HANDYTARIFER  

Vereidigung und Gelöbnis von Soldaten der Bundeswehr

Dieser Artikel behandelt Vereidigung und Gelöbnis in der Bundeswehr. Historische Fahnen- bzw. Diensteide sowie entsprechende Eide in anderen Ländern behandelt der Artikel Fahneneid.

Die Vereidigung oder das Gelöbnis von Soldaten der Bundeswehr ist eine – meist feierliche – Zeremonie am Anfang ihrer Dienstzeit. Der Text der Formel unterscheidet sich dabei zwischen Grundwehrdienstleistenden bzw. freiwilligen Wehrdienst leistenden, die ein Feierliches Gelöbnis ablegen und Soldaten auf Zeit bzw. Berufssoldaten, die einen Diensteid ablegen.

Vereidigung oder Gelöbnis werden in §9 des Soldatengesetzes festgelegt.

Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“

§9 Soldatengesetz, Eidesformel für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit

Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

§9 Soldatengesetz, Gelöbnisformel für Wehrpflichtige Soldaten

Der Kursivdruck besteht nicht im Gesetzestext, er dient der Hervorhebung der Unterschiede bzw. Besonderheiten der Formeln. Die Eidesformel länger dienender Soldaten kann auch ohne religiöse Beteuerung gesprochen werden.

Inhaltsverzeichnis

Vereidigung

Aufstellung zur Vereidigung an der Marineschule Mürwik

Große Vereidigungsveranstaltungen finden z. B. in den Offizierschulen von Marine (MSM) und Luftwaffe (OSLw) statt. Vereidigungen beim Heer finden in den Offizieranwärterbataillonen und dem Sanitätslehrregiment (für Sanitätsoffizieranwärter des Heeres) statt, da die Grundausbildung von Offizieranwärtern beim Heer disloziert und nicht zentral an der Offizierschule des Heeres stattfindet. Weiterhin werden Soldaten überall dort vereidigt, wo längerdienende Soldaten ihre Grundausbildung absolvieren, d. h. die Vereidigung findet oft mit dem Gelöbnis der Wehrdienstleistenden zusammen statt.

Der Termin der Vereidigung liegt meist inmitten der Grundausbildung, und auch als Ort wird meist das Kasernengelände gewählt. Obwohl in den meisten Fällen ein feierlicher Rahmen geschaffen wird, um den Eid als ein Symbol der Verbundenheit zur Bundesrepublik Deutschland und der Bundeswehr zu stärken, kann die Vereidigung auch durchaus z. B. im Dienstzimmer des Kommandeurs stattfinden.

Da unter den zu vereidigenden Soldaten meistens auch Soldaten sind, die zwar an der Grundausbildung für längerdienende Soldaten teilnehmen, aber noch ein Widerrufsrecht auf Ihre Ernennung zum Soldaten auf Zeit (SaZ)/Berufssoldaten (BS) haben, leisten bei einer Vereidigung meistens auch einige Soldaten „nur“ ihr Gelöbnis – die Vereidigung wird aber mit der Ernennung zum SaZ/BS nachgeholt.

Gelöbnis

Hauptartikel: Feierliches Gelöbnis

Feierliches Gelöbnis bei der Bundeswehr: Einzug der Ehrenformation mit Truppenfahne und Luftwaffenmusikkorps an der Spitze.

Überall dort, wo Grundausbildungseinheiten stationiert sind, finden regelmäßig – jedes Quartal – feierliche Gelöbnisse statt. Um aufzuzeigen, welchen Dienst die jungen Wehrpflichtigen an der Gesellschaft leisten, und um die Bundeswehr als Armee in der Mitte der Gesellschaft zu verankern (Ideal des Staatsbürgers in Uniform, siehe auch Innere Führung), finden die Gelöbnisse – wann immer möglich – als öffentliche Gelöbnisse statt. Bis in die 1980er-Jahre war dies aufgrund von Protesten und Störungen durch die Friedensbewegung kaum möglich gewesen.

Ablauf von Vereidigung und Gelöbnis

Der Ablauf von Vereidigung bzw. Gelöbnis ist grundsätzlich gleich. Er wird nicht durch das Soldatengesetz geregelt, sondern durch eine militärische Vorschrift: ZDv 10/8 Militärische Formen und Feiern der Bundeswehr, Kap. 1.

Der Ablauf wird vorher detailliert geplant und in Form eines Befehls festgeschrieben. Zunächst ziehen die Rekruten ein und nehmen Aufstellung ein. Im Anschluss erfolgt der Einmarsch der Truppenfahne, die von einem Ehrenzug unter Gewehr und einem Musikkorps sowie zwei Fahnenbegleitoffizieren eskortiert wird. Bei größeren Veranstaltungen oder zu besonderen Anlässen (wie z. B. anlässlich des 20. Juli in Berlin oder des 50-Jahr-Jubiläums der Bundeswehr in Bordenau) wird statt des Ehrenzuges eine Ehrenkompanie des Wachbataillons des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) gestellt. Zum Einzug wird ein traditioneller deutscher Armeemarsch gespielt.

Die Gelöbnisaufstellung wird dem abnehmenden Offizier gemeldet, der die Front zusammen mit dem oder den anwesenden Repräsentanten des öffentlichen Lebens (z. B. Bürgermeister oder Landrat) abschreitet. Dazu erklingt der Präsentiermarsch, in der Praxis – je nach Region – der preußische oder bayerische Präsentiermarsch.

Dann folgen Ansprachen einer Person des öffentlichen Lebens (Bürgermeister, Landrat, Staatssekretär des BMVg, Bundeskanzler bzw. ausländischer Repräsentant), des Kommandeurs der betreffenden Einheit sowie seit einigen Jahren auch hin und wieder eines der Rekruten. Dazwischen werden noch weitere Militärmärsche gespielt, normalerweise sind darunter auch der oder die Traditionsmärsche des betreffenden Verbandes.

Als Einleitung zum eigentlichen Gelöbnis spielt das Musikkorps den Gelöbnischoral „Altniederländisches Dankgebet (Wir treten zum Beten)“ von Adrianus Valerius, in Bayern folgt stattdessen das „Bayerische Militärgebet“ von Johann Kaspar Aiblinger. Darauf treten die Träger der Truppenfahne gemeinsam mit Abordnungen der Rekruten vor, und der Kommandeur nimmt den Rekruten das Gelöbnis ab. Danach wird die Nationalhymne, in Bayern zusätzlich die Bayernhymne bzw. in Schleswig-Holstein das Schleswig-Holstein-Lied, gesungen. Zum Klang des Musikkorps erfolgt der Ausmarsch von Truppenfahne und Ehrenformation und schließlich der Abmarsch der Gelöbnisaufstellung der Rekruten.

Zumeist folgt im Anschluss (und/oder auch schon davor) ein Tag der offenen Tür, bei dem sich die Einheit der Öffentlichkeit und den Angehörigen der Soldaten präsentiert.

Bedeutung von Vereidigung und Gelöbnis

Vor allem das Gelöbnis hat in erster Linie symbolische Bedeutung, da die gelobte Erfüllung der Grundpflicht des Soldaten auch unabhängig vom Leisten des Gelöbnisses besteht. Weigert sich ein Soldat, am Gelöbnis teilzunehmen, so wird er für den Rest seiner Dienstzeit von Beförderungen ausgeschlossen, hat aber sonst grundsätzlich keine Sanktionen zu befürchten. Die Weigerung, den Diensteid abzulegen, hat allerdings für den Soldaten auf Zeit/Berufssoldaten schwerwiegendere Konsequenzen.

Eine erhebliche ideelle Bedeutung hat die Vereidigung bzw. das Gelöbnis für viele Rekruten und ihre Angehörigen und Bekannten, da die Soldaten öffentlich ihre Treue und Verbundenheit zu Staat und Gesellschaft „versprechen“. Diese ideelle Bedeutung wird auch an speziellen Traditionen in der Bundeswehr deutlich, so ist es in vielen Heereseinheiten üblich, dass das Barett oder die Litze in entsprechender Waffenfarbe erst nach Ableisten des Gelöbnisses bzw. der Vereidigung getragen werden darf.

Literatur

  • Sven Lange: Der Fahneneid. Die Geschichte der Schwurverpflichtung im deutschen Militär, Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-365-5
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
© Diese Definition / dieser Artikel zu Vereidigung_und_Gelöbnis_von_Soldaten_der_Bundeswehr stammt von Wikipedia und ist lizensiert unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu Vereidigung_und_Gelöbnis_von_Soldaten_der_Bundeswehr , die Versionsgeschichte und die Liste der Autoren einsehen. © Diese Definition / dieser Artikel zu stammt von Wikipedia und ist lizensiert unter GFDL. Hier können Sie den Original-Artikel zu , die Versionsgeschichte und die Liste der Autoren einsehen.