HANDYTARIFER  

Kyrillisches Alphabet

Die heutige Verbreitung der kyrillischen Schrift in europäischen Staaten:
  •  als einzige Schrift der Amtssprache(n)
  •  neben der Lateinschrift
  • (In schraffierten Gebieten gibt es mehrere Amtssprachen, von denen ein Teil nicht kyrillisch geschrieben wird.)

Das kyrillische Alphabet oder Kyrilliza (Кириллица, Ćirilica/Ћирилица), nach den traditionellen Namen der ersten beiden Buchstaben auch Asbuka (aзбука) genannt, ist eine Buchstabenschrift, die für zahlreiche, vor allem slawische Sprachen in Europa und Asien verwendet wird. Sie ist nach Kyrill von Saloniki benannt, der jedoch nicht die kyrillische, sondern die ihr vorausgehende glagolitische Schrift entworfen hat.

Seit dem Beitritt Bulgariens in die EU ist die kyrillische, neben der lateinischen und der griechischen, eine der drei offiziell verwendeten Schriften in der Europäischen Union.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

eckige Glagoliza (blau) – runde Glagoliza (grün) – Kyrilliza (rot)

Obwohl anerkannt ist, dass Kyrill und Method als Urheber der glagolitischen Schrift, einer Art Vorgänger des kyrillischen Alphabets, gelten können, ist die Urheberschaft des kyrillischen Alphabets immer noch Gegenstand akademischer Diskussion. Sie trägt zwar den Namen Kyrills, entstand jedoch nach heutiger Auffassung erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts in Ostbulgarien am Hofe der bulgarischen Zaren in Preslaw[2]. Eine Urheberschaft von Kyrill und Method, die ein Jahrhundert früher lebten, kann somit ausgeschlossen werden.

Die Zuschrift an Clemens von Ohrid, einen im westlichen Teil des Bulgarischen Reiches tätigen Schüler Kyrills von Saloniki, ist zwar weit verbreitet, jedoch legendär und nicht zu beweisen. Eine entsprechend gedeutete Nachricht in der Legenda Ochridica bedeutet tatsächlich wohl nur, dass er die glagolitische Schrift reformiert hat.[3]

Die meisten Buchstaben wurden aus dem griechischen Alphabet (in seiner byzantinischen Schriftform) übernommen oder abgeleitet. Für Laute, die im Griechischen nicht vorkamen, wurden Zeichen aus der glagolitischen Schrift (Glagoliza) zugrunde gelegt, die um 862 vom Slawenlehrer Konstantin, der später den Namen Kyrill annahm, entwickelt worden war. Nach ihm wurde die kyrillische Schrift benannt, obwohl sie sich sehr von der glagolitischen Schrift unterscheidet.

Vergleichstabelle zur Entwicklung der Buchstabenformen

Die folgende Tabelle zeigt die kyrillischen Buchstaben in der heute üblichen bürgerlichen Schrift mit den Zeichen aller Sprachen:

Wie aus der Tabelle ersichtlich, wurde die kyrillische Schrift hauptsächlich aus der griechischen entwickelt. Dabei wurden griechische Unzialformen benutzt (vgl. Griechisches Alphabet), aus denen später sowohl Klein- wie auch Großbuchstaben entstanden. Für alle mit griechischen Buchstaben nicht darstellbaren Phoneme wurden glagolitische Buchstaben – in einer an den griechischen bzw. kyrillischen Schriftduktus angepassten Form – übernommen.

KyrillischUrsprungZum Vergleich:
lat. Buchst.
mod. kyr.transl.altkyr.glag.griech.
aA a
ja
bB b
v
g, hC c
G g
g
ģ
dD d
eE e
jo
ė
je
ž
zZ z
iH h
j
()
ïI i
ji
jJ j
ć
đ
kK k
lL l
lj
mM m
nN n
nj
x, ks(X x)
oO o
pP p
rR r
sS s
ʒ
tT t
uΟΥ ου
U u
V v
W w
Y y
ŭ
()ÿ
f
ch(X x)
ō
c
č
šsemitisch:
hierat.
hebr. ש
kopt.
arab. ش/س
šč, št [4]
ps
”, ă, ъ
y
’, ь
()ě
ju[5]
ja, ę
()ă, ǫ
s.o.

Weitere Entwicklung

Die ursprünglich einheitliche Schrift hat in den verschiedenen Sprachen, die das Kyrillische nutzen, teilweise unterschiedliche Entwicklungen genommen. Die der Ausgangsform am nächsten kommende Variante findet sich im Kirchenslawischen wieder. Mehrere Buchstaben (z. B. ѣ, ѫ, ѧ, ѳ, ѡ) der alten kyrillischen Schrift werden heute nicht mehr verwendet. Das heutige Buchstabeninventar der einzelnen Sprachen wird in den Artikeln zu den jeweiligen Sprachen behandelt.

Um 1700 wurde die kyrillische Schrift im Russischen Reich im Zuge der Reformen Peters des Großen vereinfacht und optisch an die lateinische Schrift angepasst. Diese latinisierten Buchstabenformen, die zur Unterscheidung von der kirchenslawischen Schrift als Bürgerliche Schrift bezeichnet wurden, wurden zur Grundlage der normativen Orthographie des Russischen. In der Folge fanden sie unter russischem Einfluss auch in den außerhalb des Russischen Reiches gelegenen Regionen Verbreitung, in denen die kyrillische Schrift verwendet wurde.

Im 19. Jahrhundert erhielten auch das Bulgarische und das Serbische eine normierte kyrillische Orthographie. Während die bulgarische Kyrilliza sich in der Form der Buchstaben weitgehend an die russische anlehnte und in der Orthographie zunächst zum großen Teil etymologischen Kriterien folgte, wurde die serbische Kyrilliza durch Vuk Karadžić radikal reformiert, um eine konsequent phonologische Schreibweise des Serbischen zu ermöglichen. Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch die kyrillische Orthographie des Ukrainischen und des Weißrussischen einheitlich normiert, wobei die Alphabete dieser Sprachen jeweils viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Abweichungen von dem des Russischen aufweisen. Während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde schließlich in Jugoslawien ein eigenes, vorwiegend dem Vorbild des Serbischen folgendes kyrillisches Alphabet für das Mazedonische normiert.

Für das Rumänische, eine romanische Sprache, die in einem Land überwiegend orthodoxen Glaubens gesprochen wird und seit dem 16. Jahrhundert kyrillisch geschrieben worden war, wurde hingegen 1865 das kyrillische Alphabet zugunsten des lateinischen abgeschafft.

Durch die russische Rechtschreibreform von 1918 wurde die kyrillische Schreibweise des Russischen erneut reformiert, wobei einige infolge der Lautentwicklung nicht mehr notwendige Schriftzeichen abgeschafft wurden. Eine ähnliche Reform erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg für das Bulgarische. Die Schreibweise der übrigen kyrillisch geschriebenen slawischen Sprachen hat sich hingegen seit ihrer ersten modernen Normierung, die bereits zum großen Teil phonologischen Kriterien folgte, nicht mehr wesentlich verändert.

Bereits zur Zeit des Zarenreiches wurde das kyrillische Alphabet zur erstmaligen Verschriftlichung einiger kleinerer Sprachen in den zu diesem gehörenden Gebieten Osteuropas, des Kaukasus, Zentralasiens und Sibiriens genutzt. Zu sowjetischer Zeit wurde in den 1920er und beginnenden 1930er Jahren zunächst das lateinische Alphabet als Mittel zur Verschriftlichung von Sprachen propagiert, die bisher schriftlos waren oder zuvor das von offizieller Seite als rückständig angesehene arabische oder das mongolische Alphabet verwendet hatten. Ende der 1930er Jahre wurde dann jedoch die Orthographie aller dieser Sprachen auf das kyrillische Alphabet umgestellt. Von der allgemeinen Einführung der Kyrilliza für die Sprachen der Sowjetunion ausgenommen blieben lediglich das Armenische und das Georgische, die ihre eigenen traditionellen Schriften beibehielten, sowie die Sprachen der baltischen Republiken und von Minderheitengruppen mittel- oder westeuropäischer Herkunft, die weiterhin in lateinischer Schrift geschrieben wurden. Nach dem Vorbild der Sowjetunion führte auch die Mongolische Volksrepublik die kyrillische Schrift ein. Zur Schreibung der nichtslawischen Sprachen der Sowjetunion wurde das kyrillische Alphabet in der für das Russische üblichen Form in den meisten Fällen um weitere, meist neugeschaffene Buchstaben erweitert, um alle Laute der jeweiligen Sprache wiedergeben zu können.

Heutige Verbreitung

Heute werden Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Bulgarisch, Serbisch, Mazedonisch und das moderne Kirchenslawisch sowie zahlreiche weitere Sprachen in Osteuropa, Sibirien, dem nördlichen Kaukasus und Zentralasien mit kyrillischen Zeichen geschrieben, darunter Turksprachen wie Kasachisch und Kirgisisch, das mit dem Persischen verwandte Tadschikisch, Mongolisch oder auch Dunganisch, ein chinesischer Dialekt.

Die Alphabete der einzelnen Sprachen sind im Wesentlichen gleich und unterscheiden sich nur durch einige wenige Zeichen. Manche Sprachen verwenden Sonderzeichen (ähnlich den Umlauten in der lateinischen Schrift). Allerdings werden in der kyrillischen Schrift im Gegensatz zur Lateinschrift nur selten beigefügte Akzente, Punkte, Zedillen oder ähnliches verwendet, sondern eher ganz neue Buchstabenformen eingeführt. Die kirchenslawische Schrift enthält eine ganze Reihe von Zeichen, die in den modernen Schriften nicht mehr üblich sind.

Kursive und aufrechte Formen

Von einigen Kleinbuchstaben gibt es sehr unterschiedliche Varianten, ähnlich wie bei a/ɑ im lateinischen Alphabet. Im Russischen herrscht in aufrechter Schrift die der jeweiligen Majuskel ähnelnde Form der Minuskeln vor, und die andere Form kommt fast nur in kursiven Schriften vor, wie in der Tabelle abgebildet. Im Bulgarischen und Serbischen sind die von den Großbuchstaben stark abweichenden Minuskeln auch in aufrechter Schrift üblich. Das vergrößert die Zahl jener Zeichen, die bei gleicher Form im kyrillischen und im lateinischen Alphabet unterschiedliche Bedeutung haben. Vor allem in Serbien kann das leicht verwirren, wo die Landessprache mancherorts sowohl lateinisch als auch kyrillisch geschrieben wird.


Im Serbischen und Mazedonischen sind außerdem andere Formen der kursiven Minuskeln üblich, die großenteils der kyrillischen Schreibschrift ähneln (vgl. die Grafik von Janko Stamenović):

  • Das б (б) ähnelt noch stärker als die Standardform einem kleinen griechischen Delta (δ).
  • Das г (г) sieht aus wie ein i mit Makron (ī) und nicht wie ein an der Vertikalen gespiegeltes s oder punktloses Fragezeichen.
  • Das д (д) ähnelt einem g statt einem runden d (mit gebogener Oberlänge) oder einer gespiegelten 6.
  • Das п (п) sieht in Annäherung an die griechische Schreibschrift aus wie ein kursives и oder ein lateinisches u mit Makron (ū) und nicht wie ein n.
  • Das т (т) ist analog der Standardvariante (ähnlich m) die verdoppelte Form davon, also etwa vergleichbar einem kursiven ш oder umgekehrten lateinischen m mit Makron (ɯ̅).

In der Computertypographie sind diese Varianten bisher nur über speziell lokalisierte Schriften darstellbar; zukünftig sollen aber „Smart Fonts“ über Techniken wie OpenType, Graphite oder AAT abhängig von der Sprache (halb-)automatisch die korrekten Glyphvarianten auswählen können.

Kyrillische Schreibschrift

Brief Peters I. von 1689
Moderne russische Schreibschrift
Serbische Schreibschrift um 1900

Noch Ende des 17. Jahrhunderts hatte kyrillische Schreibschrift große Ähnlichkeit mit mittelalterlicher griechischer Unziale. Mit der von Zar Peter dem Großen eingeleiteten Europäisierung Russlands näherte sich der Stil gedruckter wie geschriebener Schrift zeitgenössischen westeuropäischen Schriften an.


Wiedergabe mit lateinischen Buchstaben

Für die graphische Wiedergabe der kyrillischen Schrift mit lateinischen Buchstaben (Romanisierung) gibt es verschiedene Möglichkeiten der Umschrift:

Die Umkehrbarkeit ist dabei nur im ersten Fall vollständig gewährleistet, mit kleinen Einschränkungen meist auch im zweiten. Daneben gibt es die rein ausspracheabhängige Schreibung, z. B. per IPA, die aber nicht von der Ursprungsverschriftung, also hier den kyrillischen Buchstaben, abhängig ist. In einigen Fällen, z. B. dem Mongolischen oder bei Namen von Auswanderern, wird das kyrillische Schriftsystem parallel mit einem anderen verwendet, für das es oft wiederum eine Transliterationsvorschrift ins lateinische gibt, die zu anderen Ergebnissen führen kann. Ein theoretisch möglicher rein zielsprachabhängiger Ansatz ist nicht üblich, da wie im lateinischen Schriftsystem nicht in jeder Sprache den kyrillischen Buchstaben dieselben Laute zugeordnet sind (z. B. г → g/h).

Die in der Slawistik übliche wissenschaftliche Transliteration beruht auf dem tschechischen Alphabet. Die Normen der ISO und anderer Institute (v. a. GOST) bauen darauf auf, unterscheiden sich aber in Details davon. Die UN empfiehlt seit 1987 für geographische Bezeichnungen GOST 16876-71[6], die zumindest für das Russische keine Unterschiede zur wissenschaftlichen Transliteration und ISO/R 9 aufweist und nur drei zu ISO 9 (щ → šč/ŝ, я → ja/â, ю → ju/û).

Buchstaben mit einheitlicher Transliteration
KyrillischА
а
Б
б
В
в
Ѓ
ѓ
Д
д
Ђ
ђ
Е
е
Ё
ё
Ж
ж
З
з
И
и
Й
й
К
к
Л
л
М
м
Н
н
О
о
П
п
Р
р
С
с
Т
т
Ќ
ќ
Ћ
ћ
У
у
Ў
ў
Ф
ф
Ц
ц
Ч
ч
Ш
ш
Ь
ь
Ѣ
ѣ
LateinischA
a
B
b
V
v
Ǵ
ǵ
D
d
Đ
đ
E
e
Ë
ë
Ž
ž
Z
z
I
i
J
j
K
k
L
l
M
m
N
n
O
o
P
p
R
r
S
s
T
t

Ć
ć
U
u
Ǔ
ŭ
F
f
C
c
Č
č
Š
š
Ě
ě

Für die weitgehend phonetische Transkription gibt es in den europäischen Sprachen – auch und gerade der deutschen – eine lange Tradition, in deren Verlauf es auch zu Änderungen und Varianten kam (z. B. Namensendung -off/-ow/-ov/-ev oder in der DDR sh für ж). Neben der Verwendung von w anstelle von v für в weicht die vom Duden gepflegte (russisch-)deutsche Transkription vor allem bei den S-Lauten von der Transliteration ab (ш/ж → sch, з → s statt z, ц → z statt c). Im englischen Sprachraum dominieren zwei einander sehr ähnliche Standards, die zugunsten von Digraphen (meist mit h) weniger stark auf diakritische Zeichen wie Hatschek und Zirkumflex setzen (z. B. щshch statt šč oder ŝ): BGN/PCGN (Geographie) und ALA/LC (Bibliothekswesen). Durch die Verwendung in den internationalen Medien, bspw. im Profisportbereich, und deren unreflektierter Übernahme durch die lokale Presse finden sich die französische und vor allem englische Transkription auch in vielen anderen Ländern; ebenso tauchen wegen technischer Schwierigkeiten akzentbefreite Transliterationen auf. Es ist ein Qualitätsmerkmal von Verlagen und Redaktionen, den ausgewählten Transkriptions- oder Transliterationsstandard durchgängig einzuhalten.

In Jugoslawien galt für die lokalen Sprachen eine einheitliche Umwandlung von kyrillischen in lateinische Buchstaben und umgekehrt, die sich in den Nachfolgestaaten erhalten hat. Vor allem in Serbien werden beide Systeme weiterhin parallel verwendet. In den Staaten Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan wurden nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion in den 1990ern auf dem Türkischen basierende lateinische Alphabete (wieder-)eingeführt. In diesen Fällen wird in der Regel auch im Ausland die lokale Umschrift verwendet. In Weißrussland hat ein an das polnische angelehntes lateinisches Alphabet (Łacinka) historische Bedeutung, genießt heute aber keinen offiziellen Status und wird deswegen zur Transkription des Weißrussischen in fremdsprachigem Kontext nur selten verwendet.

Beispiele für die Umschrift von Namen

Kyrillische SchreibweiseTransliterationTranskription
deutschenglischfranzösisch
Александр Солженицын (russisch)Aleksandr SolženicynAlexander Solschenizyn
(Solshenizyn)
Aleksandr SolzhenitsynAlexandre Soljenitsyne
Михаил Зощенко (russisch)Michail (Mihail) Zoščenko (Zoŝenko)Michail Soschtschenko (Sostschenko)Mikhail ZoshchenkoMikhaïl Zochtchenko
Михаил Горбачёв (russisch)Michail (Mihail) GorbačëvMichail GorbatschowMikhail GorbachevMikhaïl Gorbatchev
Борис Николаевич Ельцин (russisch)Boris Nikolaevič El’cinBoris Nikolajewitsch JelzinBoris Nikolayevich YeltsinBoris Nikolaïevitch Eltsine (Ieltsine)
Руслана Лижичко (ukrainisch) / Лыжичко (russisch)Ruslana Lyžyčko / LyžičkoRuslana Lyschytschko (Lyshytschko) / Lyschitschko (Lyshitschko)Ruslana Lyzhychko / LyzhichkoRouslana Lyjytchko / Lyjitchko
Зоран Ђинђић (serbisch)Zoran Đinđićnur Transliteration: Zoran Đinđić (Djindjić)nur Transliteration: Zoran Đinđić (Djindjić)nur Transliteration: Zoran Đinđić (Djindjić)

In Klammern steht ggf. unter Deutsch die DDR-Transkription und unter Transliteration die strengere ISO 9 von 1995.

Zu inoffiziellen Methoden der Transliteration, die sich an den technischen Beschränkungen von Eingabegeräten wie lateinischen Tastaturen orientieren, siehe Translit.

Erscheinungsformen in einzelnen Sprachen

Baschkirisch

KyrillischTransliteration
ISO 9
А аA a
Б бB b
В в *V v
Г гG g
Ғ ғĠ ġ
Д дD d
Ҙ ҙZ̦z̦
Е еE e
Ё ё *Ë ë
Ж жŽ ž
З з *Z z
И иI i
Й йJ j
К кK k
Ҡ ҡǨ ǩ
Л лL l
М мM m
Н нN n
Ң ңŅ ņ
О оO o
Ө өÔ ô
П пP p
Р рR r
С сS s
Ҫ ҫȘ ș
Т тT t
У уU u
Ү үÙ ù
Ф ф *F f
Х хH h
Һ һḤ ḥ
Ц ц *C c
Ч ч *Č č
Ш шŠ š
Щ щ *Ŝ ŝ
Ъ ъ” “
Ы ыY y
Ь ь’ ’
Э эÈ è
Ә әA̋ a̋
Ю юÛ û
Я я â

Die mit * gekennzeichneten Buchstaben kommen gewöhnlich nur in jüngeren Fremdwörtern russischer Herkunft vor.

Bulgarisch

Buchstabewissenschaftliche
Transliteration
TranskriptionIPA
üblichISOdeutschenglisch 1
А аA aA aa
Б бB bB bb
В вV vW w 2V v 2v
Г гG gG gg
Д дD dD dd
Е еE eE eɛ
Ж жŽ žSch sch (Sh sh) 3Zh zhʒ
З зZ zS sZ zz
И иI iI ii
Й йJ jJ jY yj
К кK kK k (кс = x) 4K kk
Л лL lL ll
М мM mM mm
Н нN nN nn
О оO oO oɔ
П пP pP pp
Р рR rR rr
С сS sS s (ss) 4, 5S ss
Т тT tT tt
У уU uU uu
Ф фF fF ff
Х хCh ch 6H hCh chKh kh; H h 1h
Ц цC cZ zTs tsts
Ч чČ čTsch tschCh ch
Ш шŠ šSch schSh shʃ
Щ щŠt štŜ ŝScht schtSht shtʃt
Ъ ъĂ ă 7ʺA a 8A aə, ʌ 9
Ь ьʹ (weich)( – ) (J j) 10(Y) (y)ʲ (palatal)
Ю юJu juÛ ûJu juYu yuju
Я яJa ja âJa jaYa yaja

Hinweise:
1. In Bulgarien wird in offiziellen Dokumenten eine Umschrift verwendet, die bis auf eine Ausnahme mit der englischen Transkription identisch ist: Der kyrillische Buchstabe х wird in Ausweisdokumenten usw. nicht mit kh, sondern mit h wiedergegeben. Zu den Quellen siehe Spanien). Eine (Rück-)Transkription von ьи und ье sollte i. d. R. nicht nötig sein, da man einfach die ursprüngliche lateinische Schreibweise des entsprechenden Namens verwenden sollte.

Burjatisch

KyrillischTransliteration ISO 9
А аA a
Б бB b
В в *V v
Г гG g
Д дD d
Е еE e
Ё ёË ë
Ж жŽ ž
З зZ z
И иI i
Й йJ j
К к *K k
Л лL l
М мM m
Н нN n
О оO o
Ө өÔ ô
П пP p
Р рR r
С сS s
Т тT t
У уU u
Ү үÙ ù
Ф ф *F f
Х хH h
Ц ц *C c
Ч ч *Č č
Ш шŠ š
Щ щŜ ŝ
Ъ ъ” “
Ы ыY y
Ь ь’ ’
Э эÈ è
Ю юÛ û
Я я â
Һ һḤ ḥ

Die mit * gekennzeichneten Buchstaben kommen gewöhnlich nur in jüngeren Fremdwörtern russischer Herkunft vor.

Dunganisch

BuchstabeIPATranskription
А аa, ɑa
Б бpb
В вvv
Г гkg
Д дdd
Е е(y)e
Ё ёyo
Ж жʐzh, rzh
Җ җtʂ, tɕzh
З зtsz
И иi, eii
Й йj(y)u, (y)i
К кk
Л лll
М мmm
Н нnn
Ң ңɳng
Ә әeh
О о*ɔo
П пp
Р рɚ, rr
С сss
Т тt
У уɤu, uu
Ў ўuwu
Ү үy(y)u
Ф фff
Х хxkh
Ц цtsʰts
Ч чtʂʰ, tɕʰch
Ш шʂsh
Щ щɕshch, hs
Ъ ъ*
Ы ыɪ, ɭɘ`i
Ь ь*`
Э эɛe(i)
Ю юiɤuyu
Я яia, iɑya

Die Buchstaben mit * gekennzeichneten Buchstaben werden nur in russischen Lehnwörtern verwendet.

Kasachisch

Kasachische KyrillizaKasachische LateinschriftDeutsche TranskriptionIPA
А aA aA aɑ
Ә әÄ äÄ äæ
Б бB bB bb
В вV vW wv
Г гG gG gg
Ғ ғĞ ğGh ghɣ
Д дD dD dd
Е еE eE e / Je je 1e, je
Ё ё *Yo yoJo jo (O o)jo
Ж жJ jSch schʒ
З зZ zS sz
И иÏ ïI ii:
Й йY yI i / J j 2j
К кK kK kk
Қ қQ qQ qq
Л лL lL ll
М мM mM mm
Н нN nN nn
Ң ңÑ ñNg ngŋ
О оO oO oo
Ө өÖ öÖ öø
П пP pP pp
Р рR rR rr
С сS sS s (ss) 3s
Т тT tT tt
У уW wU uu:, w
Ұ ұU uU uu, ʊ
Ү үÜ üÜ üy, ʏ
Ф фF fF ff
Х хX xCh chx
Һ һH hH hh
Ц ц *C cZ zʦ
Ч ч *Ç çTsch tschʧ
Ш шŞ şSch schʃ
Щ щ *Şç şçSchtsch schtschʃ:
Ъ ъ *---
Ы ыI ıY yɯ, ɤ
І іİ iI ii, ɪ
Ь ь *---
Э э *E eE e 4e
Ю юYu yuJu juju
Я яYa yaJa ja

Die mit * gekennzeichneten Buchstaben kommen gewöhnlich nur in jüngeren Fremdwörtern russischer Herkunft vor.
1: Am Wortanfang und nach Vokal Je je, nach Konsonant e.
2: Am Wortende und vor folgendem Konsonanten I i, vor folgendem Vokal J j.
3: Zwischen Vokalen ss, sonst S s.
4: Nur am Wortanfang oder nach Vokal.

Kirchenslawisch

Auch moderne kirchenslawische Texte werden nach wie vor in der altkyrillischen Schrift gesetzt, die in der obigen Tabelle dargestellt ist. Eine etwaige Transkription oder Transliteration richtet sich in der Regel nach der Sprache des Landes, in der der Text erscheint.

Kirgisisch

Kirgisische KyrillizaDeutsche TranskriptionIPA
А aA aa
Б бB bb
В вW wv
Г гG gg~ɣ
Д дD dd
Е еJe je 1e, je
Ё ёJo jojo
Ж жDsch dsch
З зS sz
И иI ii
Й йI i / J j 2j
К кK kk~q
Л лL ll
М мM mm
Н нN nn
Ң ңNg ngŋ
О оO oo
Ө өÖ öø
П пP pp
Р рR rr
С сS s (ss) 3s
Т тT tt
У уU uu
Ү үÜ üy
Ф фF ff
Х хCh chx
Ц цZ zʦ
Ч чTsch tschʧ
Ш шSch schʃ
Щ щSchtsch schtschʃ
Ъ ъ--
Ы ыY yɯ
Ь ь--
Э эE ee
Ю юJu juju
Я яJa jaja

1: Am Wortanfang und nach Vokal Je je, nach Konsonant e.
2: Am Wortende und vor folgendem Konsonanten I i, vor folgendem Vokal J j.
3: Zwischen Vokalen ss, sonst S s.

Mari

BuchstabeTransliteration und
Transkription
IPA
А аA aa
Ӓ ӓÄ äæ
Б бB bb
В вV vv
Г гG gg
Д дD dd
Е еE eɛ
Ё ёJo jo
Ж жŽ žʒ
З зZ zz
И иI ii
Й йJ jj
К кK kk
Л лL ll
М мM mm
Н нN nn
Ҥ ҥNj njɲ
О оO oɔ
Ӧ ӧÖ öø
П пP pp
Р рR rr
С сS ss
Т тT tt
У уÜ üy
Ф фF ff
Х хH hx
Ц цC cts
Ч чČ č
Ш шŠ šʃ
Щ щŠč ščʃtʃʰ
Ъ ъ” “-
Ы ыY yə
Ӹ ӹӰ ӱə
Ь ь’ ’-
Э эÈ èe
Ю юJu juju, juː
Я яJa jaja, jaː

Mazedonisch

BuchstabeTransliteration und
Transkription
IPA
А аA aa
Б бB bb
В вV vv
Г гG gg
Д дD dd
Ѓ ѓǴ ǵ (Gj gj)1ɟ, dʑ
Е еE eɛ
Ж жŽ žʒ
З зZ zz
Ѕ ѕDz dz 2dz
И иI ii
Ј јJ jj
К кK kk
Л лL ll
Љ љLj lj 2ʎ
М мM mm
Н нN nn
Њ њNj nj 2ɲ
О оO oɔ
П пP pp
Р рR rr
С сS ss
Т тT tt
Ќ ќḰ ḱ (Ć ć)1c,
У уU uu
Ф фF ff
Х хH hx
Ц цC cts
Ч чČ č
Џ џDž dž 2
Ш шŠ šʃ

Hinweise:
1. In den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens sind für Ѓ ѓ und Ќ ќ auch die am serbischen und kroatischen Lateinalphabet orientierten Transkriptionen Đ đ bzw. Ć ć üblich. In deutschen Texten werden Ѓ ѓ und Ќ ќ oft als Gj gj bzw. Ć ć wiedergegeben.
2. In Unicode gibt es aus Kompatibilitätsgründen für die Digraphen eigene Codes, die aber nur in Ausnahmefällen verwendet werden sollten: DZ (DZ) oder Dz (Dz) dz (dz); LJ (LJ) oder Lj (Lj) lj (lj); NJ (NJ) oder Nj (Nj) nj (nj); DŽ (DŽ) oder Dž (Dž) dž (dž).

Mongolisch

KyrillischDeutsche TranskriptionWissenschaftliche Transliteration
А аA aA a
Б бB bB b
В вW wV v
Г гG gG g
Д дD dD d
Е еJe jeE e
Ё ёJo joJo jo
Ж жDsch dschŽ ž
З зZ zZ z
И иI iI i
Й йI iJ j
К кK kK k
Л лL lL l
М мM mM m
Н нN nN n
О оO oO o
Ө өÖ öÖ ö
П пP pP p
Р рR rR r
С сS sS s
Т тT tT t
У уU uU u
Ү үÜ üÜ ü
Ф фF fF f
Х хCh chCh ch
Ц цTs tsC c
Ч чTsch tschČ č
Ш шSch schŠ š
Щ щSchtsch schtschŠč šč
Ъ ъ(fällt weg)- -
Ы ыY yY y
Ь ьJ j’ ’
Э эE eĖ ė
Ю юJu juJu ju
Я яJa jaJa ja

Rumänisch

Das Vaterunser auf Rumänisch (1850)

Wegen des orthodoxen Glaubens der Rumänen und der slawischen Umgebung wurde die rumänische Sprache ab dem 16. Jahrhundert mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Diese Schrift wurde von der kirchenslawischen übernommen. Ab dem 18. Jahrhundert wurde jedoch die kyrillische Schrift in Siebenbürgen (das damals zum Habsburgerreich gehörte) nach und nach durch die lateinische ersetzt. Damals wurde noch kein eigenes rumänisches Alphabet entwickelt, sondern nach den Regeln der ungarischen Orthographie geschrieben. Die Siebenbürgische Schule entwickelte schließlich Anfang des 19. Jahrhunderts ein eigenes offizielles rumänisches Alphabet, das auf lateinischen Buchstaben basierte. 1862 wurde in Rumänien offiziell die kyrillische Schrift komplett durch die lateinische ersetzt. 1938 wurde in der Moldauischen ASSR für die in Moldauisch umbenannte rumänische Sprache die kyrillische Schrift wieder eingeführt, allerdings diesmal nicht in der kirchenslawischen, sondern in der russischen Version. Im von der Sowjetunion annektierten Bessarabien wurde zwischen 1940 und 1941, sowie von 1944 bis 1989 die Verwendung der kyrillischen Schrift obligatorisch. Heute wird Rumänisch nur noch in Transnistrien mit kyrillischen Buchstaben geschrieben.

Alte kyrillische Schrift
(bis ins 19. Jh)
Neue kyrillische Schrift
(ab 1938)
Lateinische
Schrift
А аА аa
Б бБ бb
В вВ вv
Г гГ гg
Д дД дd
Е еЕ еe
Ж жЖ жj
З зЗ зz
І iИ иi
И иИ иi
Й й(Ь) ьi
К кК кk
Л лЛ лl
М мМ мm
Н нН нn
О оО оo
П пП пp
Р рР рr
С сС сs
Т тТ тt
У уУ уu
Ф фФ фf
Х хХ хh
Ѡ ѡО оo
Ц цЦ цţ
Ч чЧ чc
Ш шШ шş
Щ щШт/ШТ штșt
Ъ ъЭ эă
Ы ы
Ь ь--
Ѣ ѣЯ яea
Ю юЮ юiu
IA ӏа (Ꙗ ꙗ)Я яia
Ѧ ѧЯ яia
Ѫ ѫЫ ыâ, î
Ѯ ѯ(Кс) (кс)(ks)
Ѱ ѱ(Пс) (пс)(ps)
Ѳ ѳ
Ѵ ѵ
ынîn

Russisch

BuchstabeTransliterationTranskriptionAussprache12
wissenschaftlichISO 9deutschenglischIPA
А а A aA aa
Б б B bB bb
В в V vW wV vv
Г г G gG g (w)8G gg
Д д D dD dd
Е е E eE e (Je je)1E e (Ye ye)1ʲɛ / jɛ13
Ё ё Ë ëJo jo (O o)2E e (auch Yo yo)ʲɔ / jɔ13
Ж ж Ž žSch sch (Sh sh)3Zh zhʒ
З з Z zS sZ zz
И и I iI i11ʲi / i / ji14
Й й J jI i (–, J j)4Y yj
К к K kK k5K kk
Л л L lL ll
М м M mM mm
Н н N nN nn
О о O oO oɔ
П п P pP pp
Р р R rR rr
С с S sS s (ss)5, 10S ss
Т т T tT tt
У у U uU uu
Ф ф F fF ff
Х х Ch chH hCh chKh khx
Ц ц C cZ zTs tsʦ
Ч ч Č čTsch tschCh chtʃʲ
Ш шŠ šSch schSh shʃ
Щ щ Šč ščŜ ŝSchtsch schtsch (Stsch stsch)9Shch shchʃʲː
Ъ ъ ʺ( – )6
Ы ы Y yY yɨ
Ь ь ʹ( – ) (J j)7(Y) (y)ʲ
Э э Ė ėÈ èE eɛ
Ю ю Ju JuÛ ûJu juYu yuʲu / ju13
Я я Ja ja âJa jaYa yaʲa / ju13

Hinweise:

  1. Nach russ. Vokalen, am Wortanfang und nach ь sowie ъ wird mit je bzw. Je (engl. ye bzw. Ye) transkribiert, sonst mit e. Beispiel: Ельцин → Jelzin. Wenn im Russischen für Е е auch Ё ё geschrieben werden kann, wird Е е wie Ё ё wiedergegeben.
  2. Nach russ. Vokalen, am Wortanfang, nach den meisten Konsonanten und nach ь sowie ъ wird mit jo bzw. Jo transkribiert; nur nach ж (sch/sh), ч (tsch), ш (sch), und щ (schtsch/stsch) jedoch mit o. Beispiel: Горбачёв → Gorbatschow
  3. Der Duden nennt sch als herkömmliche Transkription, da ein „stimmhafter Sch-Laut“ (wie in „Journal“) im Deutschen nicht eindeutig und verständlich mit Buchstaben ausgedrückt werden könne. Die als zweite Variante im Duden genannte und in der DDR übliche Transkription sh (als Unterscheidung zum stimmlosen sch) wird von einigen als Notbehelf angesehen, da sie nur von Menschen mit Kyrillisch-Kenntnissen verstanden und richtig ausgesprochen würde, andere argumentieren jedoch, eine Unterscheidung sei durchaus sinnvoll und solle auch in der Transkription wiedergegeben werden. In der Wikipedia wird jedoch aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibung mit sch verwendet.
  4. Der Duden schreibt: „й wird nach и und nach ы nicht wiedergegeben“ und „й = i am Wortende sowie zwischen russischem Vokalbuchstaben und russischem Konsonantenbuchstaben“. Beispiele: Горький → Gorki, Андрей → Andrei, Чуйков → Tschuikow. Mit j wird й nach i/y vor Konsonant (z. B. Новороссийск → Noworossijsk) sowie vor Vokal (z. B. йогурт → jogurt) umschriftet.
  5. Der Duden schreibt vor, dass „in allen Fällen“ кс als x transkribiert werden soll. In der Wikipedia wird diese Regel nur dann angewendet, wenn es um Wörter griechischen oder lateinischen Ursprungs geht (Алексей → Alexei). In russischen Wörtern slawischer oder anderer Herkunft wie etwa dem Ortsnamen Выкса, der mit einiger Wahrscheinlichkeit finno-ugrischen Ursprungs ist, wird meist die Schreibung mit ks verwendet (also Wyksa). Dies gilt selbst dann, wenn es sich um Lehnwörter deutschen Ursprungs handelt, deren Originale im Deutschen mit chs oder cks geschrieben werden: клякса Klecks, такса Teckel, Dackel, Dachshund, вексель Wechsel. Namen wie Саксония Sachsen sind ein Grenzfall, da hier offenkundig die latinisierte Form Saxonia ins Russische entlehnt wurde.
  6. Härtezeichen: Hebt die Palatalisierung des voranstehenden Konsonanten auf. Wird i. A. nicht transkribiert. Siehe aber 1.
  7. Weichheitszeichen: Palatalisiert den vorangegangenen Konsonanten. Wird normalerweise nicht transkribiert, da die Ausspracheunterschiede für Nicht-Sprachkundige kaum auffallen und ein Apostroph im Wort den Lesefluss nur erschwert. Beispiel: Gorki statt Gorʹki. Wenn das Weichheitszeichen jedoch vor einem Vokal steht, gilt: Die (recht seltenen) Verbindungen ьи, ье und ьо werden als ji, je bzw. jo transkribiert. Vor я und ю wird ь nicht transkribiert, da das j bereits in deren Transkription (ja bzw. ju) enthalten ist.
  8. In der Genitivendung der Adjektive -ого/-его jedoch (im Einklang mit der Aussprache) w: -owo/-(j)ewo.
  9. In der DDR war auch die Transkription stsch üblich.
  10. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache gewöhnlich ss.
  11. Siehe aber Ь ь und 7.
  12. Bei Vokalen bezieht sich die Angabe auf die Aussprache in betonter, isolierter Stellung. Abweichende Aussprachen infolge von Vokalreduktion in unbetonten Silben oder durch den Einfluss benachbarter palatalisierter Konsonanten werden nicht angegeben.
  13. Die zweite angegebene Aussprache gilt nur im Silbenanlaut, also am Wortanfang, nach Vokal, ъ oder ь.
  14. Die Aussprache [i] gilt im Wortanlaut, [ji] nach Vokal, ъ oder ь.

Serbisch und Serbokroatisch

Anmerkung: Die Serbische Sprache verwendet neben der kyrillischen Schrift auch das lateinische Alphabet. Die Verfassung Serbiens hebt zwar die kyrillische Schrift für den offiziellen Gebrauch vor allem in der öffentlichen Verwaltung und Schulen in Serbien als erste Schrift hervor, es kann und darf aber die lateinische Schrift auch im offiziellen Gebrauch verwendet werden. Im privaten Gebrauch ist das lateinische Alphabet gleich verbreitet wie die kyrillische Schrift. Im Serbokroatischen des ehemaligen Jugoslawien waren die serbische kyrillische Schrift und das lateinische Alphabet im offiziellen Gebrauch gleichgestellt.

Die heutige Form der serbischen Azbuka (Alphabet) geht auf die Reformierung der bisherigen kyrillischen Schrift durch Vuk Stefanović Karadžić im 19. Jahrhundert zurück. Die slawenoserbische Schrift, die zu seiner Zeit nur noch in höheren Kreisen bekannt war, ähnelte bis auf einige Konsonanten vor allem der russischen kyrillischen Schrift sehr.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert vor allem in Bosnien und Herzegowina und in Teilen Kroatiens war außerdem die Schrift Bosančica verbreitet.

Serbische
Asbuka
Serbische
Lateinschrift
IPA
А аA aa
Б бB bb
В вV vv
Г гG gg
Д дD dd
Ђ ђĐ đ1
Е еE eɛ
Ж жŽ žʒ
З зZ zz
И иI ii
Ј јJ jj
К кK kk
Л лL ll
Љ љLj lj2ʎ
М мM mm
Н нN nn
Њ њNj nj2ɲ
О оO oɔ
П пP pp
Р рR rr
С сS ss
Т тT tt
Ћ ћĆ ć
У уU uu
Ф фF ff
Х хH hx
Ц цC cʦ
Ч чČ č
Џ џDž dž2
Ш шŠ šʃ

Hinweise:
1. Đ đ (für Ђ ђ) kann bei technischen Problemen auch durch Dj bzw. dj ersetzt werden.
2. Diese Digraphen werden auch in lateinischer Schreibweise als jeweils nur ein Buchstabe betrachtet.

Tadschikisch

Tadschikische
Kyrilliza
Deutsche
Transkription
IPATadschikische
Lateinschrift
А aA aaA a
Б бB bbB b
В вW wvV v
Г гG ggG g
Д дD ddD d
Е еE e / Je je 1e, jeE e
Ё ёJo joJo jo
Ж жSch schʒƵ ƶ
З зS szZ z
И иI iiI i 2
Й йI i / J j 3jJ j
К кK kkK k
Л лL llL l
М мM mmM m
Н нN nnN n
О оO oɒO o
П пP ppP p
Р рR rrR r
С сS s (ss) 4sS s
Т тT ttT t
У уU uuU u
Ф фF ffF f
Х хCh chxX x
Ц ц 5Z zʦ-
Ч чTsch tschʧC c
Ш шSch schʃŞ ş
Щ щ 5Schtsch schtschʃ-
Ъ ъ-ʔ / – 6-
Ы ы 5Y yi-
Ь ь 7---
Э э 8E eeE e
Ю юJu jujuJu ju
Я яJa jajaJa ja
Ғ ғGh ghɣƢ ƣ
Ӣ ӣIj iji 9Ī ī
Қ қQ qqQ q
Ӯ ӯU uo, ɵŪ ū
Ҳ ҳH hhH h
Ҷ ҷDsch dschÇ ç

1: Am Wortanfang und nach Vokal Je je, nach Konsonant e.
2: Kyrillisches ии (doppeltes и) wird in der Lateinschrift mit iji wiedergegeben.
3: Am Wortende und vor folgendem Konsonanten I i, vor folgendem Vokal J j.
4: Zwischen Vokalen ss, sonst S s.
5: Diese Buchstaben kamen nur in Lehnwörtern aus dem Russischen vor. Durch die Rechtschreibreform von 1998 wurden sie abgeschafft.
6: In Wörtern arabischer Herkunft nach Konsonant [ʔ], nach Vokal bewirkt es eine Dehnung des vorangehenden Vokals. In Wörtern russischer Herkunft nicht gesprochen.
7: Zu sowjetischer Zeit wurde zwischen Konsonant und einem folgenden Ё ё, Ю ю, Я я in einheimischen Wörtern immer ь geschrieben. Außerdem kam es in Lehnwörtern aus dem Russischen vor. Durch die Rechtschreibreform von 1998 wurde es ersatzlos abgeschafft.
8: Nur am Wortanfang und nach Vokalen, in anderen Stellungen wird Е е geschrieben.
9: Wird nur am Wortende für betontes auslautendes [i] verwendet, um es von unbetontem zu unterscheiden.

Tschetschenisch

KyrillischWissenschaftliche
Transliteration
Deutsche
Transkription
IPA
А аA aA aa, aː
АЬ аьÄ äÄ äæ, æː
Б бB bB bb
В вW wW w 1w, v
Г гG gG gg
ГӀ гӀĠ ġGh ghγ
Д дD dD dd
ДЖ джDž džDsch dschʤ
ДЗ дзDz dzDs dsʣ
Е еE eE e / Je je 2e, eː, iə, jæ, je, jeː, jiə
Ё ёJo joJo jo / (o) 3jo, joː, o
ЁЬ ёьJö jöJö jöjø, jøː
Ж жŽ žSch sch (Sh sh)ʒ
З зZ zS sz
И иI iI i / ji 4i, ji
Й йI iJ jj
К кK kKh kh
КХ кхQ qKh kh
КЪ къQ̣ q̣K k
КӀ кӀḲ ḳK k
Л лL lL ll
М мM mM mm
Н нN nN nn
О оO oO oo, oː, uə, wo, woː, wa
ОЬ оьÖ öÖ öø, øː
П пP pPh ph
ПӀ пӀṖ ṗP p
Р рR rR rr
С сS sS s (ss) 5s
Т тT tTh th
ТӀ тӀṬ ṭT t
У уU uU uu, uː
УЬ уьÜ üÜ üy
Ф фF fF ff
Х хḪ ḫCh chx
ХЬ хьḤ ḥH hħ
ХӀ хӀH hH hh
Ц цC cZh zhʦʰ
ЦӀ цӀC̣ c̣Z zʦˀ
Ч чČ čTschh tschhtʃʰ
ЧӀ чӀČ̣ č̣Tsch tschtʃˀ
Ш шŠ šSch schʃ
Щ щŠč ščSchtsch schtschʃtʃʰ
Ъ ъ” “(fällt weg)-
Ы ыY yY yi
Ь ь’ ’(fällt weg)-
Э эĖ ėE ee, eː, iə
Ю юJu juJu juju, juː
ЮЬ юьJü jüJü jüjy
Я яJa jaJa jaja, jaː
ЯЬ яьJä jäJä jäjæ, jæː
Ӏ Ӏʿ ʿ’ ’ʕ

Hinweise:
1. U am Silbenende nach е, э und o.
2. Je am Wortanfang, im Silbenanfang nach Vokal, nach й, ъ und nach ь.
3. O in russischen Lehnwörtern nach ж, ч, ш und щ.
4. Ji in russischen Lehnwörtern nach ь.
5. Zwischen Vokalen ss, sonst s.

Tschuktschisch

KyrillischTransliteration
ISO 9
А аA a
Б б *B b
В вV v
Г гG g
Д д *D d
Е еE e
Ё ёË ë
Ж ж *Ž ž
З з *Z z
И иI i
Й йJ j
К кK k
Ӄ ӄḲ ḳ
Л л *L l
Ӆ ӆ1Ļ ļ
М мM m
Н нN n
Ӈ ӈṆ ṇ
О оO o
П пP p
Р рR r
С сS s
Т тT t
У уU u
Ф ф *F f
Х хH h
Ц цC c
Ч чČ č
Ш ш *Š š
Щ щ *Ŝ ŝ
Ъ ъ” “
Ы ыY y
Ь ь’ ’
Э эÈ è
Ю юÛ û
Я я â
ʼ

Die mit * gekennzeichneten Buchstaben kommen nur selten oder gar nicht in genuin tschuktschischen Wörtern vor.

1: Ende der 1980er Jahre eingeführter Buchstabe, der zur Unterscheidung des tschuktschischen vom russischen L-Laut dienen soll. Zuvor wurde für beide Laute Л л verwendet.

Uigurisch

In der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten (v.a. Kasachstan) wurde und wird Uigurisch mit einem kyrillischen Alphabet geschrieben; in der Volksrepublik China hingegen offiziell zunächst mit einem erweiterten Lateinalphabet (Yengi Yezik̡, „neue Schrift“) und seit 1987 (wieder) in einem arabisch-persischen Alphabet (K̡ona Yezik̡, „alte Schrift“). In den verschiedenen Verschriftungen kommen unterschiedliche Rechtschreibprinzipien zum Tragen, so dass die verschiedenen Alphabete nicht eins zu eins in einander übertragbar sind. Das betrifft vor allem die Schreibweise von Lehnwörtern aus dem Russischen und aus dem Chinesischen.

Buchstabewissenschaftliche
Transkription
Rechtschreibung
in China
IPA
TurkologieISOlateinischarabisch
А аaA aئاa
Б бbB bبb
В вvV v / W w1ۋv
Г гgG gگɡ
Ғ ғγ/ğġƢ ƣغɣ/ʁ
Д дdD dدd
Е еeE eئېe
Ё ё2yoëjo
Ә әäƏ əئهɛ
Ж ж2ž/jžȤ ȥژʒ
Җ җǰ/jž̧J j / Zh zh4ج
З зzZ zزz
И иiI iئىi
Й йyjY yيj
К кkK kكk
Қ қqķK̡ k̡قq
Л лlL lلl
М мmM mمm
Н нnN nنn
Ң ңng/ŋngڭŋ
О оoO oئوo
Ө өöôƟ ɵئۆø
П пpP pپp
Р рrR rرr
С сsS sسs
Т тtT tتt
У уuU uئۇu
Ү үüùÜ üئۈy
Ф фfF fفf
Х хxhH hخx
Ц ц3tscC cts
Ч чčQ q / Ch ch4چ
Һ һhH̡ h̡هh
Ш шšX x / Sh sh4شʃ
Щ щ2ščŝʃt
Ъ ъ2
Ы ыi/ïyI iئىɨ
Ь ь2
Э э2eèE eئېe
Ю ю2yuûju
Я я2yaâja

Anmerkungen:

1. In rein uigurischen Wörtern v, in Lehnwörtern aus dem Chinesischen w.

2. Nur in Lehnwörtern aus dem Russischen.

3. Nur in Lehnwörtern aus dem Russischen oder Chinesischen.

4. In Lehnwörtern aus dem Chinesischen je nach dem ursprünglichen chinesischen Lautwert bzw. nach der Schreibweise in Pinyin.

Ukrainisch

 Buchstabe  wissenschaftliche Transliteration  Transkription 
 kursiv  üblich  ISO  deutsch  englisch 
А аA aA a
Б бB bB b
В вВ вV vW wV v
Г гГ гH hG gH h
Ґ ґG gG g
Д дД дD dD d
Е еE eE e
Є єJe jeÊ êJe jeYe ye
Ж жŽ žSch sch (Sh sh)Zh zh
З зZ zS sZ z
И иИ иY yI iY y
І іI iÌ ìI i
Ї їÏ ïJi jiYi yi (Ï ï)
Й йЙ йJ jJ jY y
К кK kK k (statt ks auch x)K k
Л лL lL l
М мM mM m
Н нN nN n
О оO oO o
П пP pP p
Р рR rR r
С сS sS s 1S s
Т тТ тT tT t
У уU uU u
Ф фF fF f
Х хCh chH hCh chKh kh
Ц цC cZ zTs ts
Ч чČ čTsch tschCh ch
Ш шŠ šSch schSh sh
Щ щŠč ščŜ ŝSchtsch schtsch (Stsch stsch)Shch shch
ьʹ (weich)( – ) bzw. j 2( – ) bzw. y
Ю юJu JuÛ ûJu juYu yu
Я яJa ja âJa jaYa ya
ʼʺʼ (Apostroph)( – ) 3

Hinweise:
1. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache auch ss.
2. Weichheitszeichen, nur nach Konsonanten; ein Großbuchstabe existiert nicht; palatisiert den vorangehenden Konsonanten; in der Transkription j vor o, sonst (im Auslaut und vor Konsonanten) nicht wiedergegeben.
3. nur zwischen labialem Konsonanten und j + Vokal; in der Transkription gewöhnlich nicht wiedergegeben.

Weißrussisch

Kyrillischer BuchstabeTransliterationTranskriptionSAMPA-Wert
üblichISOŁacinkadeutschenglisch
А аA aA a/a/
Б бB bB b/b/
В вV vW wV v/v/
Г гH hG gH hH h/h/
Ґ ґ 10G gG̀ g̀G gG g/g/
Д дD dD d/d/
Дз дзDz dzDz dz, Dź dź 9Ds dsDz dz/dz/
Дж джDž džDsch dschDzh dzh/Z/
Е еE eJe je 6, ie 7, e 8E e (Je je) 1E e (Ye ye) 2/jE/
Ё ёË ëJo jo 6, io 7, o 8Jo joE e (auch Yo yo)/jO/
Ж жŽ žSch sch (Sh sh) 3Zh zh/Z/
З зZ zZ z, Ź ź 9S sZ z/z/
І іI iÌ ìI i, Ji ji 6I i/i/
Й йJ jJ jY y/j/
К кK kK kK k/k/
Л лL lŁ ł, L l 9L l/l/
М мM mM m/m/
Н нN nN n, Ń ń 9N n/n/
О оO oO o/o/
П пP pP p/p/
Р рR rR r/r/
С сS sS s, Ś ś 9S s (ss) 4S s/s/
Т тT tT t/t/
У уU uU u/u/
Ў ўŬ ŭU u/ŭ/
Ф фF fF f/f/
Х хCh chH hCh chCh chKh kh/x/
Ц цC cC c, Ć ć 9Z zTs ts/ts/
Ч чČ čTsch tschCh ch/tS/
Ш шŠ šSch schSh sh/S/
Ы ыY yY y/1/, IPA: /i/
Ь ьʹ (weich)´ 9( – ) (J j) 5(Y) (y)/j/ – palatal
Э эĖ ėÈ èE eE e/E/
Ю юJu juÛ ûJu ju 6, iu 7, u 8Ju juYu yu/ju/
Я яJa ja âJa ja 6, ia 7, a 8Ja jaYa ya/ja/

Hinweise:
1. Nach weißruss. Vokalen, am Wortanfang und nach ь wird mit je bzw.Je transkribiert, sonst mit e. Beispiel: Ельцын → Jelzyn.
2. Im Englischen entsprechend mit ye bzw. Ye
3. Der Duden nennt sch als herkömmliche Transkription, da ein „stimmhafter Sch-Laut“ (wie in „Journal“) im Deutschen nicht eindeutig und verständlich mit Buchstaben ausgedrückt werden könne. Die als zweite Variante im Duden genannte und in der DDR übliche Transkription sh (als Unterscheidung zum stimmlosen sch) wird von einigen als Notbehelf angesehen, da sie nur von Menschen mit Kyrillisch-Kenntnissen verstanden und richtig ausgesprochen würde, andere argumentieren jedoch, eine Unterscheidung sei durchaus sinnvoll und solle auch in der Transkription wiedergegeben werden. In der Wikipedia wird jedoch aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibung mit sch verwendet.
4. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache gewöhnlich ss.
5. Weichheitszeichen: Palatalisiert den vorangegangenen Konsonanten. Wird im Allgemeinen nicht transkribiert, da die Ausspracheunterschiede für Nicht-Sprachkundige kaum auffallen und ein Apostroph im Wort den Lesefluss nur erschwert. Ausnahmen sind die Verbindungen ьі und ьо, die als ji bzw. jo transkribiert werden.
6. Am Wortanfang oder nach Vokal benutzt Łacinka ja, je, jo, ju für я, е, ё, ю, nach Vokal auch ji für і.
7. Nach Konsonant außer Л л (L l) benutzt Łacinka ia, ie, io, iu für я, е, ё, ю.
8. Nach Л л fällt in Łacinka j bzw. i von я, е, ё, ю weg: a, e, o, u.
9. In Łacinka werden die palatalisierte Konsonanten bezeichnenden Buchstaben mit Akutakzent versehen, wenn sie vor einem anderen Konsonanten oder am Wortende stehen: Дзь дзь = Dź dź; Зь зь = Ź ź; Нь нь = Ń ń; Сь сь = Ś ś; Ць ць = Ć ć. Das L hingegen erhält standardmäßig den Schrägstrich und verliert ihn, wenn in der Kyrilliza ein Weichheitszeichen oder einer der Vokalbuchstaben і, я, е, ё, ю folgt: Л л = Ł ł; Ль ль = L l.
10. Nicht Teil der derzeitigen offiziellen Orthographie, aber von manchen trotzdem verwendet, um vor allem in Fremdwörtern den Laut [g] darzustellen.

Namen der Buchstaben

Traditionelle Namen

Im Kirchenslawischen hat, ähnlich wie im Griechischen, jeder Buchstabe einen Namen. Diese womöglich schon von Konstantin-Kyrill selbst eingeführten Namen sind größtenteils normale altkirchenslawische Wörter bzw. Wortformen, die eine Art Merkspruch zu ergeben scheinen, durch den sich vielleicht Schreibschüler die Reihenfolge des Alphabets besser merken konnten. Allerdings sind für die am Ende des Alphabets, nach Omega, eingefügten Buchstaben größtenteils keine solchen „sprechenden“ Namen überliefert.[7]

BuchstabeNameTransliterationBedeutungÜbersetzung
азъazъichIch kenne die Buchstaben.
букыbukyBuchstaben
*вѣдѣ, вѣди*vědě, vědiweiß
глаголи, глаголъglagoli, glagolъsprich!Sprich: Gut ist es zu leben, die Erde und der, der …
доброdobrogut
єстъjestъist
*живѣти, живѣте*živěti, živěteleben
ѕѣлоdzělosehr
земляzemljaErde
іiund
ижеižewelcher
какоkakowieWie denkt ihr, o Leute?
людієljudijeLeute
мыслитеmysliteihr denkt
нашьnašьunserEr ist unser Friede.
онъonъer
покоиpokojьFrieden, Ruhe
рьциrьzisprich!Sag einen schweren Satz:
словоslovoSatz, Ausspruch
тврьдоtvrьdohart
ѵкъ, укъ, икъükъ, ukъ, ikъgr. οἶκος [ˈykɔs] ‘Haus’?gr. οἶκον φέρετε χειρί ‘tragt das Haus mit der Hand!’
(wobei die Anlaute der drei Wörter [y], [f] und [] für Slawen schwer zu sprechen waren)
оукъukъ(später von ük auf оу-Ligatur für [u] übertragen)
фрьтъfrьtъgr. φέρ(ε)τε [ˈfɛr(ɛ)tɛ] ‘tragt!’?
хѣръchěrъgr. χείρ [ˈkʰir] ‘Hand’?
ѡтъōtъvon ?
циci
чрьвьčrьvьWurm; Purpur; Hölle [?] ?
шаša
ща (ursprünglich vielleicht щалмъ und dann пѣснь)šta (ursprünglich vielleicht psalmъ und dann pěsnь)— (früher vielleicht ‘Psalm’ und dann ‘Lied’) ?
єръjerъ ?
єрыjery
єрьjerь
ятьjatь
юü, ju
яja
ѥje
*ѧсъ*ęsъ
*ѫсъ*ǫsъ
*ѩсъ*jęsъ
*ѭсъ*jǫsъ
In der glagolitischen Schrift noch nicht vorhandene, dem kyrillischen Alphabet zur Schreibung griechischer Wörter hinzugefügte Buchstaben:
ѯиksigr. xi
ѱиpsigr. psi
ѳитаḟitagr. theta
ѵжицаižica(abgeleitet von iže, s. o.)

Heutige Namen

In den heutigen slawischen Sprachen werden nicht mehr die traditionellen Namen verwendet, sondern nach einem ähnlichen Muster wie im Deutschen gebildete Namen:

BuchstabeBulgarischRussischSerbischUkrainischWeißrussisch
аaaaaa
бbebebebe
вwevewewe
гgegehehe
ґge
дdededede
джdsche
дзdse
ђđe
еejeeeje
ёjojo
єje
жschəschežeschesche
зsezesese
иiiiy
іii
їji
йi kratko ‘kurzes i’i kratkoje ‘kurzes i’ij oder joti karotkaje ‘kurzes i’ oder i neskladowaje ‘unsilbisches i’
јje
кkakakaka
лelelelel
љelj
мemememem
нenenenen
њenj
оooooo
пpepepepe
рerererer
сssəeseseses
тtetetete
ћće
уuuuuu
ўu karotkaje ‘kurzes u’ oder u neskladowaje ‘unsilbisches u’
фefefefef
хchəchahachacha
цzecezeze
чtschətschečetschetsche
џdže
шschəschaschascha
щschtəschtschaschtscha
ъer goljam ‘großes er’twjordy snak ‘hartes Zeichen’
ыyy
ьer malək ‘kleines er’mjagki snak ‘weiches Zeichen’mjaky snak ‘weiches Zeichen’mjakki snak ‘weiches Zeichen’
эe oborotnoje ‘umgedrehtes e’e abarotnaje ‘umgedrehtes e’
юjujujuju
яjajajaja
apostrofnadradkowy snak ‘supralineares Zeichen’ oder apostrof

Buchstabieralphabet

Russisches Buchstabieralphabet
ААнна (alt: Алексей)Anna (alt: Alexei)
ББорисBoris
ВВасилийWassili
ГГригорийGrigori
ДДмитрий (alt: Дарья)Dmitri (alt: Daria)
ЕЕленаJelena
Ёёжjosch ‘Igel
ЖЖеняSchenja
ЗЗинаида, Зия (alt: Зоя)Sinaida, Sija (alt: Soja)
ИИванIwan
ЙИван краткийkurzer Iwan
ККонстантин (alt: киловатт)Konstantin (alt: Kilowatt)
ЛЛеонидLeonid
ММария (alt: Михаил)Marija (alt: Michail)
ННиколайNikolai
ООльгаOlga
ППавелPawel
РРоманRoman
ССемён (alt: Сергей)Semjon (alt: Sergei)
ТТатьянаTatjana
УУльянаUljana
ФФëдорFjodor
ХХаритонChariton
Ццапляzaplja ‘Reiher
ЧЧеловекtschelowek ‘Mensch
ШШураSchura
Щщукаschtschuka ‘Hecht
Ътвёрдый знакtwjordy snak ‘hartes Zeichen
Ыигрек (alt: еры)igrek ‘Ypsilon’ (alt: jery)
Ьмягкий знакmjagki snak ‘weiches Zeichen
Ээхо (alt: Эмилия)Echo (alt: Emilia)
ЮЮрийJuri
ЯЯковJakow

Kyrillische Zahlen

Nach griechischem Muster können die kyrillischen Buchstaben in alten Texten auch als Zahlzeichen verwendet werden. Um dies zu markieren, wird über die Buchstaben ein Titlo gesetzt. Zu Details siehe Kyrillische Zahlen.

Zeichenkodierung

Die verbreitetesten 8-Bit-Kodierungen für Kyrillisch sind ISO 8859-5, Windows-1251, Macintosh Cyrillic, KOI8-R und KOI8-U. Sie umfassen nur die für die modernen slawischen Sprachen benötigten Buchstaben, KOI8 sogar nur die für modernes Russisch bzw. Ukrainisch. Historische Zeichen und Sonderzeichen für nichtslawische Sprachen sind nur in Unicode kodiert (ausführlich dazu vgl. Kyrillisch und Glagolitisch in Unicode).

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Kodierung kyrillischer Zeichen in der aktuellen ISO-Transliteration, hexadezimal und dezimal in Unicode (z. B. für numerische Zeichenreferenzen in HTML, SGML und XML verwendbar), und als hexadezimale Bytewerte in den fünf erwähnten 8-Bit-Kodierungen, wobei die Ergänzungen von KOI8-U gegenüber KOI8-R in der gemeinsamen Spalte in Klammern stehen.

ISOUnicode8859-5CP1251MacCyrKOI8
Basic Russian Alphabet
А аA a0410 04301040 1072B0 D0C0 E080 E0E1 C1
Б бB b0411 04311041 1073B1 D1C1 E181 E1E2 C2
В вV v0412 04321042 1074B2 D2C2 E282 E2F7 D7
Г гG g0413 04331043 1075B3 D3C3 E383 E3E7 C7
Д дD d0414 04341044 1076B4 D4C4 E484 E4E4 C4
Е еE e0415 04351045 1077B5 D5C5 E585 E5E5 C5
Ж жŽ ž0416 04361046 1078B6 D6C6 E686 E6F6 D6
З зZ z0417 04371047 1079B7 D7C7 E787 E7FA DA
И иI i0418 04381048 1080B8 D8C8 E888 E8E9 C9
Й йJ j0419 04391049 1081B9 D9C9 E989 E9EA CA
К кK k041A 043A1050 1082BA DACA EA8A EAEB CB
Л лL l041B 043B1051 1083BB DBCB EB8B EBEC CC
М мM m041C 043C1052 1084BC DCCC EC8C ECED CD
Н нN n041D 043D1053 1085BD DDCD ED8D EDEE CE
О оO o041E 043E1054 1086BE DECE EE8E EEEF CF
П пP p041F 043F1055 1087BF DFCF EF8F EFF0 D0
Р рR r0420 04401056 1088C0 E0D0 F090 F0F2 D2
С сS s0421 04411057 1089C1 E1D1 F191 F1F3 D3
Т тT t0422 04421058 1090C2 E2D2 F292 F2F4 D4
У уU u0423 04431059 1091C3 E3D3 F393 F3F5 D5
Ф фF f0424 04441060 1092C4 E4D4 F494 F4E6 C6
Х хH h0425 04451061 1093C5 E5D5 F595 F5E8 C8
Ц цC c0426 04461062 1094C6 E6D6 F696 F6E3 C3
Ч чČ č0427 04471063 1095C7 E7D7 F797 F7FE DE
Ш шŠ š0428 04481064 1096C8 E8D8 F898 F8FB DB
Щ щŜ ŝ0429 04491065 1097C9 E9D9 F999 F9FD DD
Ъ ъʺ042A 044A1066 1098CA EADA FA9A FAFF DF
Ы ыY y042B 044B1067 1099CB EBDB FB9B FBF9 D9
Ь ьʹ042C 044C1068 1100CC ECDC FC9C FCF8 D8
Э эÈ è042D 044D1069 1101CD EDDD FD9D FDFC DC
Ю юÛ û042E 044E1070 1102CE EEDE FE9E FEE0 C0
Я я â042F 044F1071 1103CF EFDF FF9F DFF1 D1
Cyrillic Extensions
Ѐ ѐ0400 04501024 1104–– –––– –––– –––– ––
Ё ёË ë0401 04511025 1105A1 F1A8 B8DD DEB3 A3
Ђ ђĐ đ0402 04521026 1106A2 F280 90AB AC–– ––
Ѓ ѓǴ ǵ0403 04531027 1107A3 F381 83AE AF(B4) ––
Є єÊ ê0404 04541028 1108A4 F4AA BAB8 B9–– (A4)
Ѕ ѕẐ ẑ0405 04551029 1109A5 F5BD BEC1 CF–– ––
І іÌ ì0406 04561030 1110A6 F6B2 B3A7 B4(B6 A6)
Ї їÏ ï0407 04571031 1111A7 F7AF BFBA BB(B7 A7)
Ј јJ̌ ǰ0408 04581032 1112A8 F8A3 BCB7 C0–– ––
Љ љL̂ l̂0409 04591033 1113A9 F98A 9ABC BD–– ––
Њ њN̂ n̂040A 045A1034 1114AA FA8C 9CBE BF–– ––
Ћ ћĆ ć040B 045B1035 1115AB FB8E 9ECB CC–– ––
Ќ ќḰ ḱ040C 045C1036 1116AC FC8D 9DCD CE–– ––
Ѝ ѝ040D 045D1037 1117–– –––– –––– –––– ––
Ў ўŬ ŭ040E 045E1038 1118AE FEA1 A2D8 D9–– ––
Џ џD̂ d̂040F 045F1039 1119AF FF8F 9FDA DB–– ––

Tag der kyrillischen Schrift

Der Tag der kyrillischen Schrift ist der 24. Mai, in Bulgarien ist er offizieller Feiertag. An diesem Tag werden traditionell am Denkmal für Kyrill und Method vor der Bulgarischen Nationalbibliothek Blumen niedergelegt, auch in Moskau auf dem Slawjanskaja-Platz in der Nähe des Kreml, wo sich ebenfalls ein Denkmal befindet, in vielen Kirchen werden Gottesdienste abgehalten.

Einzelnachweise

  1. Beitrittsvertrag: D.7 – Erklärung der Republik Bulgarien
  2. Vgl. Hartmut [Nikolaos] Trunte: словѣньскъи ѩзꙑкъ: Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen in 30 Lektionen, Bd. 1, 4. Aufl., München 1994, Kap. 1.9; S. 16–19.; Hans-Dieter Döpmann: Kirche in Bulgarien von den Anfängen bis zur Gegenwart, München, Biblion Verlag, 2006; Gerhard Podskalsky: Theologische Literatur des Mittelalters in Bulgarien und Serbien 815-1459, München, Beck, 2000
  3. Vgl. Nikolaos Trunte: Πρὸς τὸ σαφέστερον. Zu Reformen in der glagolitischen Schrift. In: Glagoljica i hrvatski glagolizam. Hg. Marija-Ana Dürrigl u. a. Zagreb, Krk 2004. S. 419–434.
  4. Zur Herkunft des glagolitischen und somit auch des kyrillischen Schta aus dem griechischen Psi vgl. Nikolaos Trunte (Πρὸς τὸ σαφέστερον: Zu Reformen in der glagolitischen Schrift, in: Glagoljica i hrvatski glagolizam, Zagreb und Krk 2004, S. 428 f.). Demnach wurde das Schta, das in den ältesten Texten nicht vorkommt, im Zuge einer Reform des glagolitischen Alphabets eingeführt, die Kliment von Ohrid zugeschrieben wird, und für die Entstehung aus dem Psi spricht, dass in mehreren Alphabetgedichten an der Stelle von Schta das Wort pěsnьmi ‘mit Liedern’ steht, das vermutlich ursprüngliches psalmy ‘mit Psalmen’ vertritt.
  5. In älteren südslawischen Texten findet sich oft eine gespiegelte Form des kyrillischen Buchstaben, die auf seine Herkunft aus griechischem οι hindeutet, das damals [y] gesprochen wurde, ebenso wie ursprünglich wohl auch ю, während ιο ja [io] gesprochen worden wäre und keinesfalls [ju] (vgl. Trunte, Lehrbuch, Bd. 1, S. 13).
  6. United Nations Group of Experts on Geographical Names (UNGEGN)–Working Group on Romanization Systems
  7. Die Informationen zu den Buchstabennamen beruhen auf Nikolaos Trunte: „Rьci slovo tvrьdo. Ein Zungenbrecher für Slaven?“, in: Germano-Slavistische Beiträge. Festschrift für Peter Rehder zum 65. Geburtstag, Hg. Miloš Okuka und Ulrich Schweier, München 2004, S. 287–294; sowie ders., Словѣньскъи ѩзыкъ: Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen in 30 Lektionen. Zugleich eine Einführung in die slavische Philologie, Bd. 1: Altkirchenslavisch, München 52003, ISBN 3-87690-480-3, S. 17–22.

Literatur

  • August Leskien, Handbuch der altbulgarischen (altkirchenslavischen) Sprache: Grammatik – Texte – Glossar. Weimar 11871, Heidelbert 101990.
  • Nikolaos Trunte, Словѣньскъи ѩзыкъ: Ein praktisches Lehrbuch des Kirchenslavischen in 30 Lektionen. Zugleich eine Einführung in die slavische Philologie. Bd. 1: Altkirchenslavisch. München 11990, 52003.

 Commons: Kyrillisches Alphabet – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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