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Kanton Tessin

Repubblica e Cantone Ticino
Republik und Kanton Tessin
Basisdaten
Hauptort:Bellinzona
Fläche:2′812 km²
Einwohner:332′600 (2008)
Bevölkerungsdichte:117 Einw./km²
Beitritt zur
Eidgenossenschaft:
1803
Abkürzung:TI (ISO:CH-TI)
Sprachen:Italienisch
Website:www.TI.ch
Karte
Lage des Kantons

Das Tessin, offiziell Republik und Kanton Tessin (italienisch Repubblica e Cantone Ticino), ist der südlichste Kanton der Schweiz.

Zusammen mit den vier Bündner Südtälern Misox (it.: Val Mesolcina), Calancatal (Val Calanca), Bergell (Val Bregaglia) und Puschlav (Val Poschiavo) bildet es die italienische bzw. italienischsprachige Schweiz (Svizzera Italiana).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Tessin macht den grössten Teil der italienischen Schweiz aus. Es liegt auf der südlichen Seite des Alpenhauptkamms und ist weitgehend von Italien umgeben; nur im Norden und Nordosten grenzt es an die Schweizer Kantone Graubünden, Wallis und Uri. Die Fläche beträgt 2812 Quadratkilometer, was 7 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz entspricht. Etwa ein Viertel des Gebiets gilt als unproduktiv und ein Drittel davon ist bewaldet. Wichtige Akzente setzen die beiden grossen Seen Langensee (Lago Maggiore oder Verbano) und Luganersee (Lago di Lugano oder Ceresio).

Gewässer

Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Tessin (Ticino), der auf der Südseite des Sankt Gotthard-Massivs am Nufenenpass entspringt, das Bedrettotal (Val Bedretto) und die Leventina (Valle Leventina) in Richtung Südost durchfliesst, um dann, ab der Kantonshauptstadt Bellinzona, nach Westen durch die Magadinoebene fliessend, in den Langensee zu münden.

Blick über den Lago Maggiore von Locarno aus

Hauptzuflüsse auf diesem Weg sind der Brenno aus dem Bleniotal (Valle di Blenio) und die Moësa aus dem bündnerischen Misox. Auch der übrige Teil des nördlich des Monte Ceneri gelegenen Kantonsteils (Sopraceneri) wird in den Lago Maggiore entwässert, nämlich durch die Flüsse Maggia und Verzasca. Der südliche Kantonsteil (Sottoceneri) entwässert grösstenteils in den Luganersee und von dort über die Tresa ebenfalls in den Langensee, dessen Abfluss – wiederum «Ticino» genannt – wenig unterhalb der Stadt Pavia in den Po mündet.

Teile des südlichsten «Zipfels» der Schweiz, des «Mendrisiotto», entwässern zwar ebenfalls letztlich in den Po, aber nicht über den Tessin. Aus dem Valle di Muggio kommend durchfliesst die Breggia den Talkessel von Chiasso und vereinigt sich im Comer See mit dem Wasser der Adda. Das westliche Mendrisiotto wird vom Flüsschen «Gaggiolo» durchflossen, welches unter dem Namen «Rio Ranza» (auch «Rio Ranzo» oder «Rio Lanza») bei Malnate in der italienischen Provinz Varese in die «Olona» mündet.

Vegetation

Unter der reichhaltigen Flora besonders erwähnenswert sind ausgedehnte Kastanienwälder, wie es sie sonst nur noch in wenigen Gegenden der Welt in dieser Reinheit und Fläche gibt.

Bevölkerung

Im Tessin leben momentan 328′580 Einwohner (4,3 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung). Die jährliche Zuwachsrate betrug in der Zeitspanne 1870–1940 nur 0,45 Prozent, stieg jedoch daraufhin stark an (bis zu 2,3 Prozent). 83,1 Prozent der Einwohner sind italienischer Muttersprache, und das Volk fühlt sich auch mit seinem Nachbarn kulturell stark verbunden.

Sprachen

Im Tessin ist Italienisch die Amtssprache. Ein grosser, allerdings im Abnehmen begriffener Teil der Bevölkerung spricht daneben auch lokale Dialekte, die zur lombardischen Sprachengruppe gehören («Ticinées»). Da die norditalienischen Dialekte der Lombardei (inklusive italienische Schweiz), des Piemont, Liguriens und der Emilia-Romagna einen galloromanischen Hintergrund besitzen, erstaunt es nicht, dass sehr viele Ausdrücke dem Französischen ähneln, wobei häufig nasale Laute sowie «ö» und «ü» vorkommen. Im Tessiner Dialekt heisst es zum Beispiel: «un om al gheva dü fiöö» [un ˈom al g ˈeva dy(ː) ˈfjøː], auf Standard-Italienisch würde man sagen: «un uomo aveva due figli» (ein Mann hatte zwei Söhne). «Herz» heisst im Dialekt «cör» [køːr], ähnlich wie das französische «coeur» [kœr] und nicht wie das italienische «cuore» [kwɔre]. Und «500 Schweine» (cinquecento maiali) heisst auf Tessinerisch «cinc-cent ciügn» [ʧinˈʧeːn(t) ˈʧyɲ].

Eine Besonderheit stellt die Walser-Gemeinde Bosco/Gurin dar, in der Deutsch die Hauptsprache ist. Dies hat heute jedoch nur noch historischen Charakter.

Religionen – Konfessionen

75,9 Prozent der Tessiner Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben, 6,9 Prozent sind Protestanten, jeweils etwa 2 % sind christlich-orthodox oder gehören islamischen Gemeinschaften an.

«Entvölkerung der Bergtäler»

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Tessin ein Landkanton. Mitte des 19. Jahrhunderts lebte ein Drittel der Bevölkerung in Dörfern über 600 m, heute sind es 7 Prozent.

Regierung

Der Sitz der Kantonsregierung in Bellinzona

Die staatlichen Organe werden gemäss der Kantonalverfassung vom 14. Dezember 1997 gewählt.

Legislative

In den grossen Rat («Gran Consiglio») werden alle vier Jahre, zuletzt am 1. April 2007, 90 Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht gewählt. Er tritt in der Kantonshauptstadt Bellinzona zusammen. Um Regionalinteressen zu berücksichtigen, ist der Tessin in Wahlkreise gegliedert. Der – jeweils für ein Jahr gewählte – Präsident (oder Präsidentin) ist zurzeit Monica Duca Widmer (PPD). Das momentane Parlament schlüsselt sich wie folgt auf:

Exekutive

Der Staatsrat («Consiglio di Stato») ist die Regierung des Kantons. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die alle vier Jahre vom Volk direkt nach dem Proportionalsystem gewählt werden. Aus ihren Reihen wählen sie jeweils für ein Jahr den Präsidenten, zurzeit Marco Borradori Lega dei Ticinesi.

Wirtschaft

Das Pro-Kopf-Einkommen im Kanton bewegt sich um 41′335 Schweizer Franken (Platz 22 von 26). Es wird ungefähr zu 70 Prozent im tertiären, 30 Prozent im sekundären und 1,3 Prozent im primären Sektor erwirtschaftet.

Tourismus

Der Kanton Tessin ist stark vom Tourismus abhängig, so kommen jährlich viele Besucher in den südlichsten Kanton der Schweiz, um das mediterrane Klima, italienisches Flair, kombiniert mit schweizerischen Sekundärtugenden, zu geniessen. Die Orte Bellinzona, Locarno, Ascona und Lugano zählen zu den wichtigsten touristischen Zentren, aber auch das Swissminiatur ist eine Attraktion. Hinzu kommen viele kleine Dörfer, die meist noch nicht von Touristen überrannt sind und viel von ihrem natürlichen Charme behalten haben.

Verkehr

Der Kanton Tessin führte seit seiner Gründung einen «Kampf» gegen die geographische Isolierung vom Rest des Landes und brachte enorme finanzielle Opfer für den Ausbau der Passstraßen; dabei blieb er lange machtlos gegen die witterungsbedingte Schliessung der Alpenübergänge während der langen Wintermonate.

Mit der Eröffnung des Sankt Gotthard-Bahntunnels im Jahr 1882 wurde erstmals eine ganzjährige Verbindung des Kantons mit der restlichen Schweiz gewährleistet. Rund hundert Jahre später folgten zwei wintersichere Strassenverbindungen, nämlich der am 1. Dezember 1967 eröffnete San-Bernardino-Strassentunnel im Nachbarkanton Graubünden und der am 5. September 1980 dem Verkehr übergebene Gotthard-Strassentunnel.

Bildung und Kultur

Bildung

Im Kanton Tessin sind neun Schuljahre Pflicht. Diese teilen sich in fünf Jahre scuola elementare (Grundschule) und vier Jahre scuola media (Mittelschule) auf. Hat ein Schüler diese neun Schuljahre absolviert, kann dieser freiwillig das liceo, das mit dem Gymnasium gleichzustellen ist, oder ähnliche Schularten besuchen. Mit 15 darf man eine Arbeit suchen. Das durchschnittliche Einschulungsalter liegt bei sechs Jahren.

Das Tessin besitzt eine Universität, die allerdings nicht als Volluniversität ausgestaltet ist, mit drei Fakultäten der Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaften und der Informatik in Lugano sowie einer Architekturfakultät in Mendrisio. Die Universität der italienischen Schweiz (USI/SUP) hat etwa 1500 Studierende. Ferner werden Fachhochschulstudien an der Scuola Universitaria Professionale della Svizzera Italiana (SUPSI) angeboten.

Kultur

Jeweils im August finden das Internationale Filmfestival von Locarno statt. Der Goldene Leopard ist eine sehr begehrte Auszeichnung.

Geschichte

Siehe Geschichte des Kantons Tessin

Städte und Orte

Bezirke des Kantons Tessin

Siehe auch: Gemeinden des Kantons Tessin

Bezirke mit Hauptort

Der Kanton Tessin (Repubblica e Cantone Ticino) ist in acht Bezirke (distretti) eingeteilt, diese wiederum in 38 Kreise (circoli):

Sonstiges

Musik

  • Marcello Sorce Keller, «Canton Ticino: una identità musicale?», Cenobio, LII (2003), April–June, pp. 171–184; auch später veröffentlicht in Bulletin – Schweizerische Gesellschaft für Musikethnologie und Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, October 2005, pp. 30–37.

 Commons: Tessin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

 Wikinews: Tessin – in den Nachrichten
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