Jerichow
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
52.50083333333312.022534 Koordinaten: 52° 30′ N, 12° 1′ O | ||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen-Anhalt | |
| Landkreis: | Jerichower Land | |
| Verwaltungs- gemeinschaft: | Elbe-Stremme-Fiener | |
| Höhe: | 34 m ü. NN | |
| Fläche: | 53,04 km² | |
| Einwohner: | 2.173 (31. Dez. 2008)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 41 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 39319 | |
| Vorwahl: | 039343 | |
| Kfz-Kennzeichen: | JL | |
| Gemeindeschlüssel: | 15 0 86 080 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Karl-Liebknecht-Str. 10 39319 Jerichow | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Harald Bothe | |
| Lage der Stadt Jerichow im Landkreis Jerichower Land | ||
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Geographische Lage
Jerichow ist eine Stadt im Land Sachsen-Anhalt und namensgebende Stadt des Landkreises Jerichower Land. Zu Jerichow gehören die Ortsteile Kleinmangelsdorf, Klietznick, Mangelsdorf und Steinitz.
Klima
Der Jahresniederschlag liegt bei 530 mm und ist damit sehr niedrig, da er im unteren Zehntel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 7 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen zwei Mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren kaum und sind sehr gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 9 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Geschichte
Jerichow wurde Ende des Jahres 1144 erstmals urkundlich erwähnt. Anlass war die Gründung des Klosters Jerichow durch Prämonstratenser-Chorherren aus Besitzungen des Grafen von Stade (Bestätigung durch Kaiser Konrad III.). Im folgenden Jahr ließen sich Prämonstratenser-Chorherren aus dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg im Ortszentrum nieder. 1148 verlegten die Prämonstratenser-Chorherren den Standort wegen des störenden Markttreibens an den heutigen Platz. Sie errichteten von 1149 bis 1172 die Stiftskirche als dreischiffige Basilika sowie den Ostflügel der Klausur. Die Gebäude gelten als wichtige Werke der Backsteinromanik.
Im 13. Jahrhundert erhielt Jerichow das Stadtrecht. 1336 wurde die Stadt durch ein Elbhochwasser fast vollständig zerstört. Um 1530 hielt mit der Reformation die lutherische Lehre Einzug und 1552 erfolgte die Säkularisierung des Klosters durch Hans von Krusemark; ein Teil der Stiftsgebäude wurde als kurfürstliche Domäne genutzt. Im Dreißigjährigen Krieg fanden 1631 in der Stadt Zerstörungen und Plünderungen statt. Seit 1680 gehört die Stadt zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Jerichower Kreis. 1684/85 wurde die Klosterkirche durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm für eine neue Reformierte Gemeinde instandgesetzt. Die Neustadt wurde im 18. Jahrhundert gegründet.
1853 bis 1856 restaurierte Ferdinand von Quast auf Wunsch König Friedrich Wilhelms IV. die Klosterkirche. Um 1870 wurden die Stiftsgebäude als Brauerei, Sprit- und Branntweinbrennerei genutzt. Im gleichen Zeitraum erfolgte eine umfangreiche Restaurierung der Klosterkirche mit weitmöglichster Wiederherstellung des romanischen Zustands.
Gedenkstätten
- Denkmal auf dem Ortsfriedhof zur Erinnerung an den Gründer der KPD-Ortsgruppe Fritz Schulenburg, der zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus mit hundert anderen in einem Keller des Tangermünder Stadthauses eingesperrt wurde und Misshandlungen erdulden musste, an deren Folgen er 1933 verstarb
- Gedenktafel in der Ortsmitte für die Opfer des Faschismus
Sehenswürdigkeiten
- Klosterkirche und Klostermuseum (mit Stadtkirche Teil der „Straße der Romanik“)
- romanische Stadtkirche
- Holländermühle auf dem Mühlenberg, in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs. Der technische Innenaufbau ist vollständig erhalten. 1936 wurde die Mühle auf Motorantrieb umgestellt. Um 1960 mussten die Flügel und der drehbare Turmkranz wegen Baufälligkeit demontiert werden. Nach einer Restaurierung erhielt die Mühle im Mai 2005 neue Flügel.
Politik
Wappen
Blasonierung: „In Blau St. Georg in silberner Rüstung, in der Rechten eine silberne Kreuzlanze, die Linke gestützt auf einen rot-silbern geteilten Schild mit einer silbernen doppeltürmigen Kirche im oberen Feld, rechts ein goldener Drache.“
Jerichow besaß bis 1999 kein offiziell genehmigtes Wappen, führt jedoch seit Jahrhunderten in sich zeitweilig wandelder Form das Bild des Heiligen Georg in Rüstung mit Lanze und Drachen.
Aus der christlichen Ikonografie sind zahlreiche Darstellungen von St. Georg überliefert. Bei den frühen Darstellungen ist er mit einfachem Gewand bekleidet, oft auf dem niedergestochenen Drachen stehend; erst im Spätmittelalter und dann wieder zum Ende des 19. Jahrhunderts wandelten sich diese Bilder in kriegerische Erscheinungen, das heißt gerüstet mit Helm, Rüstung, Schild und anderem mehr. Es ist anzunehmen, dass auch das Jerichower Wappenbild eine solche Wandlung erfuhr, denn 1779 wurde das Bild noch anders beschrieben. Im Archiv des Klosters Jerichow findet sich eine Akte mit dem Titel „Nachrichten von der Stadt Jerichow de Anno 1779“. Darinnen beantwortet der Bürgermeister verschiedene Fragen zur Stadt. Die Frage Nr. 31 lautet: „Was die Stadt im Wappen führe.“ Die Antwort: „Den Ritter St. George der den Lindwurm ersticht.“
In Jerichow ist die Stadtkirche dem Heiligen Georg geweiht; hierin erklärt sich der Zusammenhang zum Wappenbild. Erste bildliche Zeugnisse des Jerichower Wappens zeigen eine recht naturalistische Darstellung mit Beiwerk und in falschen Tinkturen.
Im Jahr 1999 übernahm der Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch im Auftrag der Stadt das Redesign, um das Wappen in heraldisch korrekter Darstellung ins Genehmigungsverfahren zu bringen. Im Unterschied zum zuletzt verwendete Wappenbild wurde das durch Mantzsch wie folgt den heraldischen Gepflogenheiten angepasst: Es fielen der Schildgrund als natürliche grüne Wiese und die Blütenzweige zu beiden Seiten des Schildes weg. Der Helm des gerüsteten St. Georg wurde als Turnierhelm korrigiert. Die Tingierung erfolgte nach heraldischen Regeln.
Historisches Wappen
Blasonierung (ehemaliges Wappen): „In Blau auf grünem Boden ein Ritter in silberner Rüstung, in der Rechten eine silberne Kreuzlanze, in der Linken einen rot-silbernen geteilten Schild mit schwarzen Doppelzinnenbalken haltend, rechts ein fauchender brauner Drache, zu beiden Seiten grüne Pflanzen mit roten Blüten.“
Das Wappen von Jerichow wurde in Gewohnheitsrecht geführt. Über den Zusammenhang des Wappeninhalts zueinander liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der Zinnenbalken im kleinen Schild wird als Symbol für die Prämonstratenserstiftkirche gedeutet.
Flagge
Die Flagge ist Blau-Silber (Weiß)-Blau gestreifte Flagge mit dem aufgelegten Wappen der Stadt Jerichow.
Verkehr
Jerichow war bis 1999 Zentrum eines Nebenbahnnetzes. Die Strecken nach Schönhausen, Genthin und Güsen waren von der Kleinbahn-AG in Genthin erbaut worden. Zugleich besaß Jerichow ein Bahnbetriebswerk zur Unterhaltung von Schienenbussen der Baureihe DR-Baureihe VT 2.09 und ihrer Nachfolgebaureihen.
Söhne und Töchter der Stadt
- Werner Genest (1850–1920), Ingenieur und Fernmeldegerätefabrikant
- Otto Baer (1881–1966), Oberbürgermeister von Magdeburg
- Fritz Schulenburg (1894–1933), Kommunist und Opfer der NS-Diktatur
- Sylvester Groth (* 1958), Filmschauspieler und Tenor
Galerie
Sonstiges
Bei dem in mehreren Werken Uwe Johnsons vorkommenden Ort „Jerichow“ handelt es sich wahrscheinlich um eine Nachbildung der mecklenburgischen Kleinstadt Klütz.
Der 2009 gestartete Kinofilm Jerichow spielt in der namensgebenden Stadt, wurde jedoch nicht vorort sondern unter anderem in der Prignitz und in Mecklenburg-Vorpommern gedreht.
Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt – Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen; Stand: 31. Dez. 2008 (PDF; 789 KB) (Hilfe dazu)
Offizielle Website der StadtJerichow an der Straße der Romanik Städte und Gemeinden im Landkreis Jerichower LandBiederitz | Brettin | Burg | Demsin | Drewitz | Elbe-Parey | Genthin | Gerwisch | Gommern | Grabow | Gübs | Hohenwarthe | Jerichow | Kade | Karow | Klitsche | Königsborn | Körbelitz | Krüssau | Lostau | Möckern | Möser | Nielebock | Pietzpuhl | Redekin | Rietzel | Roßdorf | Schermen | Schlagenthin | Schopsdorf | Stresow | Woltersdorf | Wulkow | Wüstenjerichow | Zabakuck
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KlosterkircheundKlostermuseum(mitStadtkircheTeilder„ StraßederRomanik“) romanischeStadtkirche HolländermühleaufdemMühlenberg,inderNähedesehemaligenBahnhofs.DertechnischeInnenaufbauistvollständigerhalten.1936wurdedieMühleaufMotorantriebumgestellt.Um1960musstendieFlügelundderdrehbareTurmkranzwegenBaufälligkeitdemontiertwerden.NacheinerRestaurierungerhieltdieMühleimMai2005neueFlügel.
Politik
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