Polydor
Polydor (LC 00309) ist der Name eines deutschen Plattenlabels, das zu dem Major-Label Universal Music des Medienunternehmens Vivendi gehört.
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Geschichte
Gründung als Exportlabel
Die Deutsche Grammophon AG durfte aufgrund des Versailler Vertrags außerhalb des Deutschen Reiches ihr Markenzeichen His Master’s Voice sowie den Namen Grammophon nicht mehr verwenden. In Europa behielt die Gramophone Company im britischen Hayes die Markenrechte. Die Amerika-Rechte verkaufte Firmenchef Emil Berliner 1924 an die Victor Talking Machine Company. Für den Export gründete man im gleichen Jahr die Polydor als zweites Label der Deutschen Grammophon in Berlin. Bekannte Interpreten der 1920er und 1930er Jahre waren unter anderem Arthur Briggs, Paul Godwin, Max Hansen, Lilian Harvey, Johannes Heesters, Oskar Joost, Theo Lingen, Otto Reutter und Claire Waldoff.
Zweiter Weltkrieg
1941 übernahm die Siemens & Halske AG die Deutsche Grammophon. Die Schellackplatten erschienen danach zeitweise unter dem Label Siemens-Polydor. Bis zur weitestgehenden Einstellung der Produktion wegen Materialmangels um 1943 entstanden zum Teil hochwertige Pressungen von unter anderem Hans Georg Schütz, Friedrich Schröder, Willi Stech und Mimi Thoma. Da die Platten der Polydor nach wie vor für den Export bestimmt waren, veröffentlichte man auch Swing-Titel.
Nachkriegszeit
Die Presswerke der Deutschen Grammophon in Berlin-Tempelhof hatten den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden. Schon 1946 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Die Firma veröffentlichte fortan fast alle Aufnahmen von Tanz- und Unterhaltungsmusik unter den noch verschiedenfarbigen Polydor-Labels. 1949 wurde das einheitliche rote Sternchenlogo eingeführt. Zum ersten Hit der Nachkriegszeit avancierte das bereits während des Kriegs aufgenommene Lied Capri-Fischer von Rudi Schuricke. Weitere erfolgreiche Interpreten in der ersten Hälfte der 1950er Jahre waren unter anderem Lale Andersen, Bully Buhlan, Renée Franke, Friedel Hensch und den Cyprys, Evelyn Künneke, Bruce Low, Liselotte Malkowsky, Werner Müller, Jupp Schmitz, Gerhard Wendland und Helmut Zacharias.
Die Einführung von Vinylschallplatten erfolgte bei Polydor um 1952. Ab 1954 erschienen die Etiketten mit dem orangefarbigen Sternchenlogo. 1955 erscheinen bei Polydor einzelne Schallplatten im eigenen Cover. Die Musikproduzenten in den Studios Hamburg, Köln und Wien lieferten mit Peter Alexander, Caterina Valente, Freddy Quinn, Max Greger oder Margot Eskens zahlreiche Erfolgsinterpreten, die genau den Zeitgeschmack trafen und die deutschen Hitparaden anführten. Besonders erfolgreich war man auch mit Operettenaufnahmen. In den 1950er und 1960er Jahren produzierte der Dirigent Franz Marszalek reihenweise Operettenquerschnitte und sogenannte Komponistenbilder, die millionenfach verkauft wurden. Als in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts der Rock ’n’ Roll populär wurde, profilierte sich insbesondere das Studio Wien unter dem Produzenten Gerhard Mendelson mit gelungenen Coverversionen US-amerikanischer Hits. Ted Herold und Peter Kraus avancierten zu den erfolgreichsten deutschen Interpreten dieser Musikrichtung.
1960er Jahre
Bill Ramsey, Gus Backus, das Hazy-Osterwald-Sextett und das Orchester von Bert Kaempfert zählten zu den zugkräftigen Polydor-Stars der frühen 1960er Jahre. 1963 führte man das bis heute verwendete rote Logo ein. Als gegen Mitte des Jahrzehnts immer mehr englische Beat-Titel in die deutschen Hitlisten drängten, ging der Absatz deutschsprachiger Musik deutlich zurück. Auch die Polydor hatte zunächst Schwierigkeiten, sich an den neuen Geschmack anzupassen. Zwar konnte man mit Roy Black, Karel Gott, Renate Kern, Chris Roberts oder Wencke Myhre auch noch erfolgreiche Schlagerinterpreten etablieren. Das Repertoire wurde gegen Ende des Jahrzehnts auch durch internationale Interpreten wie den Bee Gees, The Who oder dem deutschen Protestsänger Franz Josef Degenhardt erweitert. Die erfolgreichsten Langspielplatten stammten nunmehr von James Last.
1970er Jahre bis heute
In den 1970er Jahren erschienen bei der Polydor, die seit 1972 zur PolyGram gehörte, Schallplatten namhafter nationaler und internationaler Stars, darunter Barry Ryan, Daliah Lavi, James Brown, Plácido Domingo, Konstantin Wecker, Ougenweide, Georg Danzer, Barclay James Harvest und ABBA. In den 1980er Jahren folgten Hits von Volker Lechtenbrink, Hubert Kah, Rolf Zuckowski, Haindling, Level 42 und Patricia Kaas. Auch war Cyndi Lauper mit ihrer Band Blue Angel bei Polydor unter Vertrag, bevor sie Solo die Charts stürmte. Chart-Erfolge der Polydor in den 1990er Jahren stammten unter anderem von Matthias Reim, Rosenstolz, Ronan Keating, Andrea Bocelli und André Rieu. 1998 erwarb Seagram PolyGram und vereinigte es mit seiner Universal Music. 2000 fusionierte der französische Mischkonzern Vivendi mit Seagram zum weltweit zweitgrößtem Musikkonzern Vivendi Universal mit Hauptsitz in Frankreich. Am 20. April 2006 beschlossen die Aktionäre den Namen des Unternehmens wieder in Vivendi zu ändern. Das Label Polydor ist als dessen Plattenlabel heute noch präsent.
Deutsche Nummer-eins-Hits der Polydor (1951 bis 1990)
Da eine offizielle Hitparade in Deutschland erst seit 1959 existiert und die Firma Polydor erst seit 1975 Daten gespeichert hat, sind die Nummer-1-Hits der Jahre 1951-58 nur anhand von Plattenverkaufszahlen ermittelt, die in Presseberichten genannt wurden.
- Lale Andersen – Blaue Nacht am Hafen (1951)
- Renée Franke & Detlev Lais – Eine weiße Hochzeitskutsche (1952)
- Friedel Hensch & die Cyprys – Tango-Max (1952)
- René Carol – Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein (1953)
- Gerhard Wendland – Jambalaya (1953)
- Bully Buhlan – Ich möcht’ auf deiner Hochzeit tanzen (1954)
- Peter Alexander – Der Mond hält seine Wacht (1955)
- Caterina Valente & Peter Alexander – Eventuell (1956)
- Margot Eskens – Tiritomba (1956)
- Club Indonesia – Steig in das Traumboot der Liebe (1956)
- Freddy Quinn – Heimweh (1956)
- Freddy Quinn – Rosalie (1956)
- Die sieben Raben – Smoky (1956)
- Club Argentina – Oh Billy Boy (1957)
- Peter Alexander – Ich weiß was Dir fehlt (1957)
- Margot Eskens – Cindy oh Cindy (1957)
- Freddy Quinn – Heimatlos (1957)
- Caterina Valente – Wo meine Sonne scheint (1957)
- Freddy Quinn – Der Legionär (1958)
- Peter Kraus – Hula Baby (1958)
- Freddy Quinn – Ich bin bald wieder hier (1958)
- Freddy Quinn – Die Gitarre und das Meer (1959)
- Bill Ramsey – Souvenirs (1959)
- Freddy Quinn – Unter fremden Sternen (1959)
- Ted Herold – Moonlight (1960)
- Ivo Robić – Mit 17 fängt das Leben erst an (1961)
- Bill Ramsey – Pigalle (1961)
- Freddy Quinn – La Paloma (1961)
- Gus Backus – Der Mann im Mond (1961)
- Mina – Heißer Sand (1962)
- Peter Kraus – Sweety (1962)
- Freddy Quinn – Junge, komm bald wieder (1962)
- Die Tahiti-Tamourés – Wini-Wini (1963)
- Roy Black – Ganz in weiß (1965)
- Freddy Quinn – Hundert Mann und ein Befehl (1966)
- Roy Black – Good Night My Love (1967)
- Roy Black – Meine Liebe zu Dir (1967)
- Bee Gees – Massachusetts (1967)
- Bee Gees – World (1968)
- Roy Black – Bleib bei mir (1968)
- Bee Gees – Words (1968)
- Roy Black – Das Mädchen Carina (1969)
- Roy Black – Dein schönstes Geschenk (1969)
- Miguel Ríos – Song of Joy (1970)
- Bata Illic – Michaela (1972)
- ABBA – Waterloo (1974)
- The Rubettes – Sugar Baby Love (1974)
- ABBA – S.O.S. (1975)
- ABBA – Mamma Mia (1975)
- ABBA – Fernando (1976)
- ABBA – Dancing Queen (1976)
- ABBA – Money, Money, Money (1976)
- ABBA – Knowing Me, Knowing You (1977)
- Jeanette – Porque te vas (1977)
- Oliver Onions – Santa Maria (1980)
- ABBA – Super Trouper (1980)
- Visage – Fade to Grey (1981)
- ABBA – One of Us (1981)
- Robin Gibb – Juliet (1983)
- Nino de Angelo – Jenseits von Eden (1984)
- Opus – Live Is Life (1985)
- Level 42 – Lessons in Love (1986)
- Fat Boys & Chubby Checker – The Twist (1988)
- Koreana – Hand in Hand (1988)
- Matthias Reim – Verdammt ich lieb’ dich (1990)
Literatur
- Bettina Greve: Sternenhimmel. Die Chronik einer deutschen Schallplattenmarke. Hannibal 2001. 263 Seiten. ISBN 978-3854452058
- Manfred Günther und Günter Lotz: Ein Name wie Musik. Die Polydor Singles Deutschland 1953-1970. Bear Family Records 2001. 302 Seiten. ISBN 978-3-89795-821-0