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Flandern

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Flandern (Begriffsklärung) aufgeführt.
Flandern

Flandre (fr)
Vlaanderen (nl)

Belgischer Gliedstaat
InstitutionRegion
Informationen
AmtsspracheNiederländisch
VerwaltungssitzBrüssel
MinisterpräsidentKris Peeters
Fläche13.522 km²
Einwohnerzahl6.161.600 (Stand: 1. Januar 2008[1])
Bevölkerungsdichte456 Einwohner pro km²
Feiertag11. Juli
ISO 3166-2BE-VLG
Webseitehttp://www.vlaanderen.be
Lage

Flandern (ndl.: Vlaanderen, frz.: la Flandre oder les Flandres) oder die Flämische Region (ndl.: „Vlaams Gewest”, frz.: Région flamande) bezeichnet den nördlichen Teil Belgiens mit seinen niederländischsprachigen Flamen. Die flämische Region in Belgien hat eine Fläche von etwa 13.522 km² und zählt etwa 6 Mio. Einwohner. Die Institutionen der Flämischen Region wurden mit denen der Flämischen Gemeinschaft zusammengelegt und haben ihren Sitz in der Hauptstadt Brüssel, die zum Zuständigkeitsbereich der belgischen (niederländisch-französischen) Gemeinschaft gehört. Die Flämische Region besteht aus den Provinzen Antwerpen, Ostflandern, Flämisch-Brabant, Limburg und Westflandern.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Amtssprache in Flandern und allgemein gebräuchliche Schriftsprache ist die niederländische Standardsprache. Gesprochen werden zum großen Teil niederländische Dialekte, die sich in Ostflämisch, Westflämisch, Brabantisch und Limburgisch unterteilen lassen, und andere flämische Sprachvarianten.

Vor allem in den flämischen Gemeinden in der Umgebung von Brüssel gibt es viele Bewohner mit Französisch als Muttersprache, denen in einem Teil dieser Gemeinden das gesetzliche Recht zum Gebrauch ihrer Muttersprache im Umgang auch mit den flämischen Behörden zugestanden wird.

Städte

Wichtige flämische Städte sind Antwerpen, Brügge, Gent, Löwen, Mecheln, Kortrijk und Ostende.

Geschichte

Karte von Flandern aus dem Jahre 1609

Zur Geschichte der Grafschaft Flandern im Mittelalter → Hauptartikel Grafschaft Flandern

Die heutige belgische Region Flandern umfasst Teile der historischen Territorien Grafschaft Flandern, Herzogtum Brabant und Herzogtum Limburg.

Die Grafschaft Flandern reichte im Mittelalter bis weit in das heutige Frankreich hinein (Duinkerke / Dunkerque / Dünkirchen; Rijsel / Lille). Die Region um Dünkirchen gehört zwar zum traditionellen niederländischen Sprachgebiet, jedoch wurde seit der Französischen Revolution Französisch als einzige Amts- und Schulsprache den Bewohnern verordnet, so dass die niederländische Muttersprache in einem andauernden Sprachprozess zunehmend verdrängt wurde. Andere Gebiete des heutigen Französisch-Flanderns sind hingegen von alters her von einer französischsprachigen Bevölkerung (Waals-Vlaanderen) bewohnt.

Nach dem Tod des letzten burgundischen Herrschers Karl der Kühne in der Schlacht bei Nancy 1477 wurden seine Besitzungen zwischen dem habsburgischen Erzherzog Maximilian von Österreich, dem späteren Kaiser Maximilian I. und König Ludwig XI. von Frankreich aufgeteilt. Flandern kam dabei unter die Herrschaft der Habsburger und wurde Teil des Heiligen Römischen Reichs. Nach dem Tod Karls V. wurden die gesamten ehemaligen burgundischen Besitzungen einschließlich Flandern den spanischen Habsburgern zugesprochen. Diese versuchten mit Gewalt, den sich ausbreitenden Protestantismus zu unterdrücken. Deswegen, und auch wegen der Einschränkung der alten Freiheiten kam es zum Aufstand der niederländischen Provinzen gegen Spanien. Die Provinzen der Utrechter Union sagten sich 1579 von Spanien los und konnten ihre Unabhängigkeit im sogenannten Achtzigjährigen Krieg erkämpfen. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde die Unabhängigkeit der (nördlichen) Niederlande international bestätigt, während Flandern mit den südlichen Provinzen unter spanischer Herrschaft verblieb. In den Kriegen mit Ludwig XIV. von Frankreich musste Spanien südliche Teile seiner Besitzungen an Frankreich abtreten (u. a. das Artois) und es bildete sich in etwa der heutige Grenzverlauf zwischen Belgien und Frankreich heraus. Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger und dem Spanischen Erbfolgekrieg kam Flandern mit den anderen ehemals spanischen Provinzen im Frieden von Utrecht 1713 unter österreichisch-habsburgische Herrschaft und verblieb dort, bis es im Rahmen der Französischen Revolutionskriege 1794 von Frankreich erobert wurde. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde das Vereinigte Königreich der Niederlande geschaffen, das das heutige Belgien und die Niederlande umfasste. In der Belgischen Revolution von 1830 spaltete sich der Südteil jedoch ab und das Königreich Belgien wurde gegründet. Seitdem teilt Flandern die Geschichte Belgiens.

Im Ersten Weltkrieg verlief die deutsch-französisch/britische Front vier Jahre lang quer durch Flandern. Es war Schauplatz großer Schlachten (Erste, Zweite und Dritte Flandernschlacht). Der Stellungskrieg der Armeen im eigentlich neutralen Belgien zerstörte viele Dörfer und Städte dieser Region. Die Namen einiger kleiner flandrischer Ortschaften rufen noch Erinnerungen an das große Sterben hervor: Ypern, Passendale, Langemark. In zahlreichen Orten erinnern Denkmale und Soldatenfriedhöfe an den Schrecken.

Seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Flandern eine zunehmende Wirtschaftskraft und auch ein Selbstbewusstsein gegenüber dem früher dominierenden wallonischen Landesteil. Teilweise äußert sich dies in Sezessionsbestrebungen, die politisch durch die Partei Vlaams Belang artikuliert werden.

Politik

Ministerpräsidenten von Flandern

NameBeginn der AmtszeitEnde der AmtszeitPartei
Gaston Geens22. Dezember 198121. Januar 1992CVP
Luc Van den Brande21. Februar 199213. Juli 1999CVP
Patrick Dewael13. Juli 19995. Juni 2003VLD
Renaat Landuyt (kommissarisch)5. Juni 200311. Juni 2003SP.A
Bart Somers11. Juni 200320. Juli 2004VLD
Yves Leterme20. Juli 200428. Juni 2007CD&V
Kris Peeters28. Juni 2007amtierendCD&V

Zusammensetzung des Flämischen Parlaments (2009–2014)

ParteiSitze
Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V)31
Vlaams Belang (VB)21
Open Vlaamse Liberalen en Democraten (Open VLD)21
Socialistische Partij Anders (sp.a)19
Nieuw-Vlaamse Alliantie (N-VA)16
Lijst Dedecker (LDD)8
Groen!7
Union des Francophones (UF)1
 Total
124

Regierungsparteien sind mit einem Punkt gekennzeichnet (•)

Politische Gliederung

Die Flämische Region ist in fünf Provinzen gegliedert:

ProvinzHauptstadtEinwohner
1.AntwerpenAntwerpen1.715.707
2.LimburgHasselt826.690
3.Ostflandern (Oost-Vlaanderen)Gent1.408.484
4.Flämisch-Brabant (Vlaams-Brabant)Löwen1.060.232
5.Westflandern (West-Vlaanderen)Brügge1.150.487

Stand: 1. Januar 2008[2]

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert erfasste die industrielle Revolution, begünstigt durch erhebliche Kohlevorkommen, vor allem die südliche Nachbarregion Wallonie, während sich in Flandern nur Gent zu einem Industriezentrum entwickeln konnte. Anders als der von Kohle- und Stahlindustrie geprägte Süden Belgiens zog Gent jedoch in erster Linie textilverarbeitende Unternehmen an. Insgesamt profitierte Flandern traditionell stark von Handel und Seefahrt, jedoch sehr viel weniger von der beginnenden Industrialisierung als die Wallonie und wurde wirtschaftlich zunehmend abgehängt.

Mit dem Niedergang der wallonischen Schwerindustrie entwickelte sich Flandern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum wirtschaftlich führenden Teil Belgiens. Während die Wallonie sich heute mit den zahlreichen Problemen eines wirtschaftlichen Strukturwandels konfrontiert sieht, profitiert Flandern von einem starken Dienstleistungssektor und insbesondere von der Bedeutung des Antwerpener Hafens.

Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreicht Flandern einen Index von 116,9 (EU-25:100) (2003).[3]

Siehe auch

 Wikiquote: Flandern – Zitate

Quellen

  1. Bevölkerung nach Gemeinden am 1. Januar 2008 (XLS)
  2. Bevölkerung nach Gemeinden am 1. Januar 2008 (XLS)
  3. Eurostat News Release 63/2006: Regional GDP per inhabitant in the EU 25[1]
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