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DAX

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dax aufgeführt.
DAX-Kurstafel in der Frankfurter Wertpapierbörse

Der Auswahlindex DAX, ursprünglich für Deutscher Aktienindex[1], ist der wichtigste deutsche Aktienindex. Der DAX ist eine Kennziffer, die über Entwicklung und Stand der deutschen Aktienkurse der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse Auskunft gibt. Er bildet damit das Marktsegment der deutschen Blue Chips ab und ist der Leitindex für den deutschen Aktienmarkt.

Der DAX wurde gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsen-Zeitung entwickelt und am 1. Juli 1988 eingeführt. Zunächst war der DAX nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den anderen etablierten deutschen Aktienindizes gedacht, inzwischen hat er diese an Bekanntheit aber hinter sich gelassen und den Charakter eines offiziellen Index des deutschen Aktienmarktes gewonnen.

In die Berechnung des DAX fließen neben den Kursen auch die meist jährlich erfolgenden Dividendenzahlungen ein. Der DAX wird deshalb als Performanceindex bezeichnet, also als Aktienindex, der neben der Wertsteigerung der Aktien auch die Kapitalvermehrung durch Dividenden nachzeichnet (Dividenden werden reinvestiert).

Der DAX ist ein Produkt und eingetragene Marke der Deutsche Börse AG.

Inhaltsverzeichnis

Weitere DAX-Indizes

Neben dem DAX-Performanceindex gibt es noch den weniger bekannten DAX-Kursindex.[2] Dieser wird im Gegensatz zu den anderen DAX-Indizes nicht um Dividenden- und Bonuszahlungen bereinigt.

Im Frühjahr 1994 wurde der so genannte DAX 100 eingeführt. Dieser Index sollte die Wertentwicklung der 100 liquidesten Werte des Aktienmarkts dokumentieren. Mit Einführung des MDAX 1996 umfasste er die 30 Werte des DAX und die 70 des MDAX. Durch die Änderung des MDAX auf 50 Werte trat an die Stelle des DAX 100 der HDAX. Der CDAX umfasst dagegen alle in Frankfurt gehandelten Aktien. Der SDAX umfasst 50 kleinere Werte hinter dem MDAX.

Als sogenannten Strategy Indice gibt es u. a. den ShortDAX. Er ist umgekehrt proportional zur Entwicklung des DAX und ermöglicht so Anlegern, die long-only gehen können, die Partizipation an negativen Kursentwicklungen. Verliert beispielsweise der DAX 5 %, dann legt der ShortDax um eben soviel Prozent zu. Dadurch haben z. B. Indexanbieter die Möglichkeit, ein Produkt zu offerieren, das leicht nachvollziehbar negative Entwicklungen des DAX berücksichtigt und dem „Käufer“ Möglichkeiten eröffnet, auch an negativen Kursentwicklungen teilzuhaben.

Daneben gibt es auch Branchenindizes wie seit 2007 den ÖkoDAX für Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien oder Strategieindizes wie den DivDAX für dividendenstarke Unternehmen.

Die Eurex bietet Optionen (ODAX) und Futures (FDAX) auf den DAX an.

Berechnung

Zur Indexberechnung, die auf der Indexformel von Étienne Laspeyres basiert, werden die DAX-Gesellschaften unterschiedlich gewichtet. Es zählt hierbei nur die Marktkapitalisierung der sich in Streubesitz befindlichen Aktien (d. h. alle Aktien, die sich nicht im Besitz eines Eigentümers befinden, der über 5 % der Aktien besitzt).

Der Index basiert auf den Kursen des elektronischen Handelssystems XETRA. Seine Berechnung beginnt börsentäglich ab 9:00 Uhr MEZ/MESZ, sobald mindestens 20 der 30 DAX-Unternehmen eine Kursnotierung haben. Er endet mit den Kursen der XETRA-Schlussauktion, die um 17:30 Uhr MEZ startet. Bis zum 31. Dezember 2005 wurde der DAX so im 15-Sekunden-Takt berechnet, seit 1. Januar 2006 jede Sekunde.

Nach der Schlussauktion berechnet die Deutsche Börse AG den L-DAX (Late DAX). Er ist ein Indikator für die Wertentwicklung des DAX nach Xetra-Handelsschluss. Basis ist der Parketthandel an der Frankfurter Wertpapierbörse. Der L-DAX wird börsentäglich zwischen 17:45 Uhr und 20:00 Uhr MEZ berechnet.

Noch wichtiger als der L-DAX ist allerdings der X-DAX, der börsentäglich von 8:00 Uhr bis 9:00 Uhr und von 17:45 Uhr bis 22:00 Uhr berechnet wird. Basis sind die Preise der an der Terminbörse Eurex gehandelten DAX-Future mit der geringsten Restlaufzeit sowie die offiziellen Euribor-Zinssätze der EZB. Der X-DAX ist ein relativ sicherer vor- und nachbörslicher Indikator für die DAX-Entwicklung, da die US-Märkte vollständig zeitlich abgedeckt werden.

Unternehmen im DAX

Hauptsitze der DAX-Unternehmen seit 23. März 2009

Auswahlkriterien

Damit ein Unternehmen in den DAX aufgenommen wird, muss es im Prime Standard gelistet sein, fortlaufend in Xetra gehandelt werden und mindestens einen Streubesitz von 10 % aufweisen. Außerdem muss das Unternehmen einen Sitz oder den Schwerpunkt seines Handelsumsatzes an Aktien in Deutschland haben. Als Sitz des Unternehmens kann sowohl der juristische Sitz als auch das operative Hauptquartier, also der Sitz der Geschäfts- beziehungsweise Verwaltungsführung gelten.

Unter den Unternehmen, welche diese Grundvoraussetzungen erfüllen, erfolgt die weitere Auswahl anhand folgender zwei Merkmale:

Eine Anpassung des DAX findet nach folgenden vier Regeln statt:

  • Fast-Exit (45/45): Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien (Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung) nicht mehr zu den 45 größten Unternehmen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 und beim Börsenumsatz mindestens Rang 45 erreicht.
  • Fast-Entry (25/25): Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 25 größten Unternehmen zählt. Aus dem DAX scheidet dann jener Wert aus, welcher in mindestens einem der beiden Kriterien einen Rang schlechter als 35 (falls ein solcher existiert) und die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.
  • Regular-Exit (40/40): Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten Unternehmen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber in beiden Kriterien mindestens Rang 35 erreicht.
  • Regular-Entry (30/30): Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 30 größten Unternehmen zählt und sofern ein Index-Wert existiert, der nach mindestens einem Kriterium nicht mehr zu den 35 größten Unternehmen zählt.

Nur jeweils zum ordentlichen Anpassungstermin im September werden alle vier Regeln angewendet. Die Fast-Exit- und Fast-Entry-Regel finden dagegen auch an den außerordentlichen Anpassungsterminen im März, Juni und Dezember Anwendung. Außerordentliche Aktualisierungen werden außerdem im Fall von Insolvenzen eines Unternehmens vorgenommen oder falls ein Unternehmen die anfangs genannten Grundvoraussetzungen nicht mehr erfüllt.

Zudem kann in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel kurzfristig angekündigte Übernahmen oder signifikante Veränderung des Freefloat, der Vorstand der Deutsche Börse AG in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Aktienindizes von diesen Regeln abweichen.

Gewichtung

Die Werte im DAX werden entsprechend ihrer Streubesitz-Marktkapitalisierung gewichtet. Maßgeblich ist also nicht der gesamte Börsenwert oder das gesamte Kapital eines Unternehmens, sondern nur der Wert der frei handelbaren Aktien (engl. free float) der im DAX vertretenen Aktiengattung. Festbesitz, das ist der Besitz von Großaktionären, welche 5 % oder mehr dieser Aktien halten, bleibt für die Gewichtung unberücksichtigt. Zum Festbesitz zählen auch eigene Aktien, welche das herausgebende Unternehmen selbst hält, unabhängig von der Höhe des Anteils.

Aufgrund von Änderung beim Aktienbesitz, aber vor allem aufgrund von Kursveränderungen ändert sich die tatsächliche Streubesitz-Marktkapitalisierung fortwährend. Die Gewichtung wird dabei bei jeder sekündlichen Neuberechnung des DAX auf Basis der aktuellen Kurse ebenfalls neu berechnet. Änderungen des Streubesitz-Anteils werden dagegen von der Deutschen Börse nur zu den vierteljährlichen Anpassungsterminen erfasst und fließen erst dann in die Gewichtung ein. Dies führte zu Situationen in denen sich ein Aktienkurs in Echtzeit einem veränderten free float anpasst, dem aber in der Gewichtung erst zeitverzögert entgegenwirkend Rechnung getragen wird. Auf die Kapriolen der Volkswagen Stammaktie hin führte die Deutsche Börse im November 2008 zusätzliche Regeln ein, um derartigen extremen Verzerrungen entgegen zu wirken. Ein Wert kann demnach zwischen Anpassungsterminen aus dem Index genommen werden, falls seine Gewichtung 10 % überschreitet und die historische 30-Tages-Volatilität des Aktienkurses 250 % übersteigt.[3]

Zusammensetzung und Gewichtung (zum 21. September 2009) [4]

Die folgende Tabelle zeigt die dem DAX-Index zugeordneten Aktien und ihre Gewichtung im DAX (Performance-Index) zum Anpassungstermin 21.September 2009. Die Tabelle enthält die Daten, wie sie von der Deutschen Börse veröffentlicht wurden und maßgebend für die Gewichtung im DAX sind.

Die aktuellen Gewichtungen und die zugrunde liegenden Kennzahlen werden darüber hinaus von der Deutschen Börse täglich veröffentlicht.[5]

NameGewichtung
im DAX
Anzahl
der Aktien
in Streubesitz
Streubesitz-
Marktkapitalisierung
in Mio. €
Streubesitz-
anteil
Festbesitz
Adidas AG01,42 %00193.515.5127.032100,00 %
Allianz SE07,48 %00453.050.00037.096099,20 %eigene Aktien 0,80%
BASF SE06,85 %00918.478.69433.965100,00 %
Bayer AG07,95 %00826.947.80839.454100,00 %
Beiersdorf AG00,77 %00252.000.0003.844039,55 %Maxingvest 50,46 %
eigene Aktien 9,99 %
BMW AG (St)02,19 %00601.995.19610.869053,40 %Johanna Quandt 16,70 %
Stefan Quandt 17,40 %
Susanne Klatten 12,50 %
Commerzbank AG01,30 %001.181.352.9266.461060,97 %Bundesrepublik Deutschland 25,00%
Allianz SE 14,03% %
Daimler AG05,76 %001.060.965.43228.564080,51 %Semare Beteiligungsverwaltungs GmbH 9,09%
Kuwait Investment Authority 6,90 %
eigene Aktien 3,50%
Deutsche Bank AG06,48 %00620.859.01532.143099,56 %eigene Aktien 0,44%
Deutsche Börse AG02,23 %00195.000.00011.067095,34 %eigene Aktien 4,66%
Deutsche Lufthansa AG01,12 %00457.937.5725.555100,00 %
Deutsche Post AG02,24 %01.209.015.87411.119069,54 %KfW 30,46 %
Deutsche Telekom AG05,59 %04.361.319.99327.732068,30 %KfW 16,87 %
Bundesrepublik Deutschland 14,83 %
E.ON AG10,00 %01.809.169.67649.610095,18 %eigene Aktien 4,82 %
Fresenius SE (Vz)00,64 %0080.596.9263.177100,00 %
Fresenius Medical Care
AG & Co. KGaA
(St)
01,28 %00294.413.4746.355063,79 %Fresenius SE 36,21 %
Henkel KGaA (Vz)00,98 %00178.162.8754.876100,00 %
Infineon AG00,77 %01.086.742.0853.836100,00 %
K+S AG00,98 %00165.000.0004.883074,70 %MCC Holding Ltd. 15,00 %
BASF SE 10,30 %
Linde AG02,57 %00168.609.74612.725100,00 %
MAN SE (St)01,22 %00140.974.3506.051070,10 %Volkswagen AG 29,90 %
Merck KGaA00,88 %00064.621.1264.385100,00 %
Metro AG (St)00,80 %00324.109.5633.986034,13 %Familien Haniel, Beisheim, Schmidt-Ruthenbeck 65,87 %
Münchener Rück AG04,13 %00197.401.62420.483098,83 %eigene Aktien 1,17 %
RWE AG (St)05,30 %00523.405.00026.285079,50 %RW Energie Beteiligungsgesellschaft mbH 15,00 %
eigene Aktien 5,50 %
Salzgitter AG00,54 %0060.097.0002.688063,52 %Hannoversche Beteiligungsgesellschaft mbH 26,48 %
eigene Aktien 10,00 %
SAP AG05,86 %01.225.964.58829.093069,51 %Klaus Tschira 8,71 %
Hasso Plattner 10,52 %
Dietmar Hopp 8,18 %
eigene Aktien 3,08 %
Siemens AG10,00 %00837.061.00249.610089,19 %Familie Siemens 5,58 %
eigene Aktien 5,23 %
ThyssenKrupp AG01,68 %00514.489.0448.312064,75 %Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 25,33 %
eigene Aktien 9,92 %
Volkswagen AG (St)00,89 %00294.997.9574.843014,50 %Porsche Automobil Holding SE 50,76 %
Land Niedersachsen 20,01 %
Qatar Investment Authority 6,78 %
Credit Suisse Group 5,57 %
Porsche GmbH Salzburg 2,37 %
Gesamt100,00 %20.298.254.058496.099

Zusammensetzungshistorie

Seit der Einführung des DAX am 1. Juli 1988 wurden zahlreiche Anpassungen an seiner Zusammensetzung vorgenommen. Ursprünglich waren folgende Werte Bestandteil des Index, die mit * gekennzeichneten Unternehmen sind bis heute ununterbrochen im DAX vertreten, die mit (*) gekennzeichneten Aktiengesellschaften sind durch Nachfolgeunternehmen bis heute ununterbrochen im DAX vertreten:

Ausgehend von dieser anfänglichen Zusammensetzung wurden folgende Veränderungen vorgenommen:[6]

DatumausgeschiedenaufgenommenUrsache / Anmerkung
03.09.1990Feldmühle NobelMetallgesellschaftÜbernahme von Feldmühle Nobel durch Stora Enso
NixdorfPreussag (heute TUI)Nixdorf geht in Siemens-Nixdorf auf
18.09.1995Deutsche BabcockSAPHöhere Marktkapitalisierung von SAP
22.07.1996KaufhofMETROZusammenschluss von Kaufhof und Metro Cash & Carry
23.09.1996ContinentalMünchener RückContinental wurde am 22. September 2003 als erstes Unternehmen erneut in den DAX aufgenommen
18.11.1996MetallgesellschaftDeutsche TelekomBörsengang der Telekom
22.06.1998Bayerische Hypotheken-
und Wechselbank
adidasZusammenschluss von Vereinsbank und Hypobank zur HypoVereinsbank
Bayerische VereinsbankHypoVereinsbank
21.12.1998Daimler-BenzDaimlerChrysler
(heute Daimler)
Zusammenschluss von Daimler-Benz mit Chrysler
22.03.1999DegussaDegussa-HülsVerschmelzung der Degussa AG auf die Hüls AG und Umbenennung in Degussa-Hüls AG
25.03.1999ThyssenThyssenKruppZusammenschluss von Thyssen und Krupp
20.09.1999HoechstFresenius Medical CareZusammenschluss von Hoechst und Rhône-Poulenc zu Aventis
14.02.2000MannesmannEpcosÜbernahme von Mannesmann durch Vodafone
19.06.2000VebaE.ONZusammenschluss von Veba und Viag zu E.ON
VIAGInfineon
18.12.2000Degussa-HülsDegussaVerschmelzung der Degussa-Hüls AG und der SKW Trostberg AG auf die neue Degussa AG
19.03.2001KarstadtQuelleDeutsche PostBörsengang der Deutschen Post
23.07.2001Dresdner BankMLP Vz.Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz
23.09.2002DegussaAltanaZu geringe Marktkapitalisierung der Degussa AG nach weitgehender Annahme des Übernahmeangebots durch die RAG AG
23.12.2002EpcosDeutsche BörseFast-Exit von Epcos, da Epcos bei der Marktkapitalisierung nur Rang 52 belegt.[7]
22.09.2003MLPContinentalRegular-Exit von MLP, da MLP sowohl beim Handelsumsatz als auch bei der Marktkapitalisierung nicht mehr die DAX-Kriterien erfüllte.
31.01.2005LanxessLanxess wird von Bayer abgespalten. Um Verzerrungen in der DAX-Berechnung zu vermeiden, umfasste der DAX am 31. Januar 2005 bisher einmalig 31 Werte. Mit dem Schlusskurs von Lanxess wurde die Gewichtung von Bayer zum 1. Februar 2005 neu berechnet und Lanxess wurde wieder aus dem DAX genommen.[8]
01.02.2005Lanxess
19.12.2005HypoVereinsbankHypo Real EstateÜbernahme der HypoVereinsbank durch die UniCredit
18.09.2006ScheringPostbankÜbernahme von Schering durch Bayer
18.06.2007AltanaMerckNach dem Verkauf der Pharmasparte an Nycomed zu geringe Marktkapitalisierung von Altana[9]
22.09.2008TUIK+SFast-Entry von K+S, niedrige Marktkapitalisierung von TUI[10]
22.12.2008ContinentalBeiersdorfFast-Exit von Continental durch geringe Free-Float-Marktkapitalisierung nach der Akquisition durch die Schaeffler Gruppe
22.12.2008Hypo Real EstateSalzgitterFast-Exit von Hypo Real Estate durch geringe Free-Float-Marktkapitalisierung nach der Teilakquisition durch den US-Investor Flowers sowie herbe Verluste im Rahmen der Finanzkrise ab 2007
23.03.2009Deutsche PostbankFresenius SEHöhere Marktkapitalisierung
23.03.2009InfineonHannover RückHöhere Marktkapitalisierung; Infineon wird am 21. September 2009 als zweites Unternehmen erneut in den DAX aufgenommen
21.09.2009Hannover RückInfineonRegular-Exit der Hannover Rück, da sie beim Handelsumsatz nicht mehr die DAX-Kriterien erfüllte.[11]

Geschichte

Rückberechnung

Der DAX wird von der Deutschen Börse seit dem 1. Juli 1988 berechnet und startete bei 1.163,52 Punkten. Die Indexbasis liegt bei 1.000,00 Punkten per 31. Dezember 1987.

Da Investoren nicht nur an der aktuellen Performance des deutschen Aktienindexes Interesse haben, sondern auch an der historischen, wurde dieser 1988 von Frank Mella, damals Redakteur bei der Börsen-Zeitung und Erfinder des DAX, auf täglicher Basis exemplarisch bis 1959 zurückberechnet.

Mella verkettete den DAX am 30. Dezember 1987 mit den 30 Aktienwerten im Index der Börsen-Zeitung (BZ-Index), der wiederum aus einer Verknüpfung mit den 24 Werten im Hardy-Index des Bankhauses Hardy & Co. zum 1. April 1981 hervorgegangen ist und bis 28. September 1959 (Basiswert = 100) zurückreicht.

Anders als im DAX und im BZ-Index berücksichtigte der Hardy-Index keine Dividenden. Hardy- und BZ-Index wurden viermal am Tag (um 12:00 Uhr, 12:30 Uhr, 13:00 Uhr und 13:30 Uhr) ermittelt. Die von Mella erzeugte Zeitreihe wird von der Deutschen Börse als offizielle Rückberechnung des DAX verwendet.

Längerfristige Zurückberechnungen des deutschen Aktienindexes stützen sich vor allem auf den Index des Statistischen Bundesamtes, von dem bis 1950 zurückreichende monatliche Kurse zur Verfügung stehen und den Aktienindex des Statistischen Reichsamtes, der von 1924 bis 1943 ermittelt wurde.[12][13]

Indexentwicklung

Den größten Tagesanstieg in seiner Geschichte erzielte der Index am 13. Oktober 2008 mit einem Plus von 11,4 Prozent.[14] Den größten Tagesabsturz erlitt der DAX am 16. Oktober 1989, er brach um 12,81 Prozent ein.

Am 7. März 2000 erreichte der DAX mit 8.136,16 Punkten im Handelsverlauf und mit 8.064,97 Punkten auf Schlusskursbasis seine bis dahin höchsten Werte. Diese wurden erst mehr als sieben Jahre später, im Sommer 2007, übertroffen. Nach dem Platzen der Spekulationsblase im Technologiesektor (Dotcom-Blase) sank der DAX bis 12. März 2003 auf einen Tiefststand von 2.188,75 Punkten im Handelsverlauf und 2.202,96 Punkten auf Schlusskursbasis. Tiefer schloss der Index letztmals am 24. November 1995. Das war ein Rückgang um 72,7 Prozent (5.862,01 Punkte) gegenüber seinem Höchststand vom 7. März 2000. Der 12. März 2003 markiert den Wendepunkt der Talfahrt. Ab dem Frühjahr 2003 war der DAX wieder auf dem Weg nach oben.

Er schloss am 5. Mai 2003 erneut über der 3.000-Punkte-Marke, am 2. Januar 2004 wieder über der 4.000-Punkte-Marke und am 28. September 2005 erneut über der 5.000-Punkte-Marke. Der DAX stieg auch in den folgenden Jahren weiter. Am 3. April 2006 schloss der Index erstmals seit Juli 2001 über der 6.000-Punkte-Marke und am 21. Februar 2007 erstmals seit November 2000 über der Marke von 7.000 Punkten. Erst im Sommer 2007 konnten die bis dahin höchsten Stände vom März 2000 übertroffen werden: Am 16. Juli 2007 wurde zunächst ein neuer Höchstwert beim Schlussstand erzielt (8.105,69 Punkte), während bereits am 13. Juli 2007 im Handelsverlauf das alte Allzeithoch übertroffen wurde (8.151,57 Punkte).[15]

Im Dezember 2007 sind erstmals die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren. Gegenüber 2005 ist ihr Anteil um 20 auf nunmehr 53 Prozent gestiegen.[16]

Im Verlauf der internationalen Finanzkrise begann der DAX wieder zu sinken. Am 9. Oktober 2008 schloss er mit 4.887,00 Punkten erstmals seit 4. November 2005 unter der Grenze von 5.000 Punkten. Einen neuen Tiefststand erzielte der Index am 6. März 2009, als er den Handel mit 3.666,41 Punkten beendete. Seit dem Allzeithoch vom 16. Juli 2007 entspricht das einem Rückgang um 54,8 Prozent.

Der 6. März 2009 bedeutete das Ende der Talfahrt. Ab dem Frühjahr 2009 war der DAX wieder auf dem Weg nach oben. Bis zum 28. September 2009 stieg er um 56,5 Prozent auf einen Schlussstand von 5.736,31 Punkten.[17]

Short Squeeze der VW-Aktie 2008

Zu Schwankungen besonderer Art kam es Ende Oktober 2008, als sich Porsche in einem anderen Markt – dem für Derivate – das Recht gesichert hatte, bei Ausübung erstandener call-Optionen auf VW St. über die absolute Mehrheit des Stimmrechts bei VW zu verfügen.[19] Als dies Porsche vier Tage vor der Veröffentlichung des Quartalergebnisses von VW bekannt gab, führte das in den Folgetagen zu einem heftigen short squeeze. Allein deswegen schnellte der DAX in die Höhe – der fair value der DAX future contracts jedoch nicht. Porsche übte seine Optionen aber nicht aus, sondern realisierte einen Spekulationsgewinn von mehr als 6 Mrd Euro durch Barausgleich. Finanzinvestoren, die der Automobilindustrie gegenüber bearish eingestellt waren und bereits am Donnerstag der Woche davor Daimlers interim report mitverfolgt hatten, wurden dadurch in eine Klemme getrieben.[20] Zu diesem Zeitpunkt war die Stammaktie von VW die meist Leerverkaufte im DAX. Am 28. Oktober 2008 überschritt sie zeitweise die 1.000-Euro-Marke und erreichte eine Gesamtmarktkapitalisierung, die die des weltgrößten Unternehmens ExxonMobil übertraf. Durch diese außerordentliche short covering rallye erhöhte sich die Gewichtung der Aktie im DAX 30 von ursprünglich 5,88 % im September auf 27,22 % zu Handelsschluss am 28. Oktober 2008.[21] An diesem Tag kündigte Dow Jones bereits an, den Streubesitz der VW St. Aktie in seinen Indizes zum freitäglichen Handelsbeginn hin auf 37,32 Prozent herabzusenken.[22] Auch die Deutsche Börse handelte zum Stichtag 3. November 2008, indem sie eine außerordentliche DAX-Indexneugewichtung vornahm und dabei eine Kappungsgrenze von zehn Prozent für die Aktie der Volkswagen AG einführte. Damit wurde am Streubesitz nichts geändert, sondern das Gewicht der Volkswagenaktie im DAX bei zehn Prozent abgeriegelt.[23] Dies gilt es zu beachten, weil aktuell 20 % der enthaltenen Werte 48,8 % des Dax 30 ausmachen.

Höchststände

Seinen absolut höchsten Stand im Handelsverlauf (Allzeithoch) erreichte der DAX am 13. Juli 2007 mit 8.151,57 Punkten. Den bisher höchsten Tagesschlusswert erzielte er am 16. Juli 2007 bei 8.105,69 Punkten.

Meilensteine

Die Tabelle zeigt die Meilensteine des bis 1959 zurückberechneten DAX.[24]

DAX mit Rückrechnung seit 1. Januar 1960 (bis 1. April 1981 nur Kursindex) (lineare Skala)
DAX mit Rückrechnung seit 1. Januar 1960 (bis 1. April 1981 nur Kursindex) (logarithmische Skala)
Erster
Schlussstand
über
Schlussstand
in Punkten
Datum
500503,5220. Juni 1960
1.0001.007,1820. Juni 1985
1.5001.507,7715. Januar 1986
2.0002.005,018. Oktober 1993
2.5002.501,221. März 1996
3.0003.001,3717. Januar 1997
3.5003.528,785. Mai 1997
4.0004.006,408. Juli 1997
4.5004.522,812. Februar 1998
5.0005.001,5520. März 1998
5.5005.510,9820. Mai 1998
6.0006.013,148. Juli 1998
6.5006.782,3923. Dezember 1999
7.0007.173,2214. Januar 2000
7.5007.549,888. Februar 2000
8.0008.064,977. März 2000

Die besten Tage

Die Tabelle zeigt die besten Tage des bis 1959 zurückberechneten DAX.[24]

RangDatumSchlussstand
in Punkten
Veränderung
in Punkten
Veränderung
in %
12008-10-1313. Oktober 20085.062,45518,1411,40
21962-05-3030. Mai 1962399,6045,1911,31
32008-10-2828. Oktober 20084.823,45488,8111,28
42008-11-2424. November 20084.554,33426,9310,34
51970-05-2929. Mai 1970485,8541,259,28
62002-07-2929. Juli 20023.859,78280,787,85
72008-12-088. Dezember 20084.715,88334,417,63
81991-01-1717. Januar 19911.422,6799,997,56
91987-11-1212. November 19871.061,6473,447,43
102003-01-022. Januar 20033.105,04212,417,34
112002-10-1111. Oktober 20022.930,74197,557,23
122002-08-066. August 20023.568,64235,997,08
132002-10-1515. Oktober 20023.048,27198,166,95
142003-03-1313. März 20032.354,31151,356,87
152001-09-2424. September 20014.038,69251,466,64
161987-10-3030. Oktober 19871.177,3872,986,61
171989-10-1717. Oktober 19891.475,4489,726,47
181990-10-011. Oktober 19901.420,7385,846,43
191988-01-055. Januar 19881.004,3460,466,41
201997-10-2929. Oktober 19973.791,81224,596,30
212002-08-088. August 20023.679,26213,726,17
221990-08-2727. August 19901.654,8095,766,14
232009-04-022. April 20094.381,92250,856,07
241998-10-1212. Oktober 19984.225,49241,846,07
252008-01-2424. Januar 20086.821,07381,865,93
261987-10-2121. Oktober 19871.379,5376,735,89
272003-04-077. April 20032.808,94154,875,84
282003-04-022. April 20032.589,35139,165,68
292002-10-1717. Oktober 20023.172,46163,535,44
302009-03-044. März 20093.890,94200,225,42

Die schlechtesten Tage

Die Tabelle zeigt die schlechtesten Tage des bis 1959 zurückberechneten DAX.[24]

RangDatumSchlussstand
in Punkten
Veränderung
in Punkten
Veränderung
in %
11989-10-1616. Oktober 19891.385,72-203,62-12,81
21991-08-1919. August 19911.497,93-155,44-9,40
31987-10-1919. Oktober 19871.321,61-136,94-9,39
42001-09-1111. September 20014.273,53-396,60-8,49
51997-10-2828. Oktober 19973.567,22-311,90-8,04
61987-10-2626. Oktober 19871.193,31-99,36-7,69
71962-05-2929. Mai 1962354,41-27,56-7,22
82008-01-2121. Januar 20086.790,19-523,98-7,16
92008-10-066. Oktober 20085.387,01-410,02-7,07
102008-10-1010. Oktober 20084.544,31-342,69-7,01
112008-11-066. November 20084.813,57-353,30-6,84
121987-10-2828. Oktober 19871.142,17-83,30-6,80
131987-10-2222. Oktober 19871.287,58-91,95-6,67
141987-11-1010. November 1987945,91-66,18-6,54
152008-10-1515. Oktober 20084.861,63-337,56-6,49
162001-09-1414. September 20014.115,98-276,42-6,29
171998-10-022. Oktober 19983.962,50-263,99-6,25
182003-03-2424. März 20032.548,37-166,69-6,14
191998-08-2121. August 19985.163,51-324,71-5,92
202008-12-011. Dezember 20084.394,79-274,65-5,88
212008-10-088. Oktober 20085.013,62-313,01-5,88
222002-09-033. September 20023.398,99-210,42-5,83
231998-09-1010. September 19984.747,33-293,54-5,82
242001-09-2020. September 20013.809,67-232,13-5,74
252002-08-055. August 20023.332,65-199,84-5,66
261988-01-044. Januar 1988943,88-56,12-5,61
271998-10-011. Oktober 19984.226,49-248,02-5,54
282002-10-2929. Oktober 20023.022,01-176,95-5,53
291990-08-066. August 19901.740,93-100,01-5,43
301961-03-066. März 1961518,43-29,64-5,41

Siehe auch

 Wiktionary: DAX – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Index-Leitfaden der Deutschen Börse (pdf) (364 kB)
  • DAX tagaktuell auf Website der Deutschen Börse AG (zeitverzögert)
  • Live-Bild der DAX-Tafel von der Parkettkamera im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse
  • Datenreihen, Renditen DAX nominal und real, Prof. Stehle seit 1948
  • Der zurückberechnete DAX seit 1959 (monatliche Entwicklung) Als Chart
  • Einzelnachweise

    1. Deutsches Historisches Museum (LeMO): Bild der DAX-Tafel von 1989
    2. Deutsche Börse: DAX (Kurs)
    3. Deutsche Börse: Deutsche Börse ergänzt Leitfaden für Aktienindizes Pressemitteilung vom 31. Oktober 2008
    4. [1]
    5. Deutsche Börse: DAX Gewichtungen + Kennzahlen
    6. Deutsche Börse AG: Historische Zusammensetzung der Aktien- und Strategieindizes der Deutschen Börse (englisch), September 2007 (PDF, 103 kB)
    7. Deutsche Börse: Deutsche Börse ab dem 23. Dezember im DAX Pressemitteilung, 12. November 2002
    8. boerse.ARD.de: Nur ein kurzes DAX-Gastspiel für Lanxess
    9. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Merck ersetzt Altana im DAX
    10. Deutsche Börse: K+S ersetzt TUI in DAX Pressemitteilung, 3. September 2008
    11. Infineon wird in DAX aufgenommen“, Pressemitteilung der Deutsche Börse AG vom 3. September 2009 (besucht 03.09.09).
    12. Humboldt-Universität zu Berlin: Die Rendite deutscher Blue-chip-Aktien in der Nachkriegszeit – Rückberechnung des DAX für die Jahre 1948 bis 1954
    13. Humboldt-Universität zu Berlin: Rückberechnung des DAX für die Jahre 1955 bis 1987
    14. Spiegel online: Dax schafft größtes Tagesplus seiner Geschichte 13. Oktober 2008
    15. Der Spiegel: Die wichtigsten Wegmarken des Dax, vom 1. Juli 2008
    16. Handelsblatt: Deutsche Firmen in fremder Hand, vom 16. Dezember 2007
    17. Yahoo: Historische Kurse
    18. Durchschnittliche mtl. Entwicklung des Dax finanzen.net
    19. Oliver Stock im Handelsblatt vom 29. Oktober 2008
    20. [2]Short Squeeze – Porsche hält VW-Spekulanten zum Narren“ – Financial Times Deutschland am 28. Oktober 2008
    21. [3] cf 28. Oktober 2008
    22. [4] Communiqué
    23. Deutsche Börse AG, Medienmitteilung vom 28. Oktober 2008
    24. a b c Wirtschaftsuniversität Wien: Der zurückberechnete DAX seit 1959 (tägliche Entwicklung)

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